Sicherheitskonferenz : Mehr Schutz am Tatort Arbeitsplatz

Auch auf gemeinhin als friedvoll geltenden Arbeitsplätzen drohen Gefahren, auf die niemand vorbereitet ist. Mit diesem Thema befasste sich eine "Sicherheitskonferenz" für Dienstleistungsberufe.

Eine Mitarbeiterin des Jugendamts holt ein Kind aus einer Familie. Sorgerechtsentzug nennt sich das. Wenige Tage später stürmt die Mutter in ihr Büro, zerrt sie auf den Boden und schlägt ihr die Zähne aus. Ein drastischer Fall von Gewalt am Arbeitsplatz, geschehen in Friedrichshain-Kreuzberg. Nach ihrer Genesung stellte die Mitarbeiterin fest, dass eigentlich niemand auf diesen Fall vorbereitet war. Wer übernimmt die Kosten? Wer kümmert sich um psychische Folgen? Was kann man vorbeugend tun?

Diese Fragen waren Thema einer Sicherheitskonferenz der Gewerkschaft Verdi. Mit Erschrecken stellten viele Teilnehmer fest, dass offenbar auch gemeinhin als friedvoll geltende Arbeitsplätze erhebliches Gefahrenpotenzial bergen. Etwa die der „Sperrkassierer“ von Energieversorgern, das sind Außendienstmitarbeiter, die bei Nichtzahlung von Stromrechnungen die Leitungen kappen. Seit Einführung von Hartz IV sind die Meldungen von Übergriffen in diesem Bereich nach oben geschnellt, berichtet Anne Gehrke vom Institut für Arbeit und Gesundheit der Gesetzlichen Unfallversicherung.

Bedroht fühlen sich auch Mitarbeiter einer Buchhandelskette. Es gab schon Überfälle, sagt Betriebsrat Daniel Schmitz. Trotzdem wolle die Geschäftsführung kleinere Filialen nur noch mit einem einzigen Verkäufer besetzen. Damit steigt das Risiko, Opfer eines Überfalls zu werden, deutlich an.

Selbst in Finanzämtern gibt es offenbar Kunden, die ausfällig werden. Viele Mitarbeiter wünschten sich eine „Notsignalanlage“ an ihrem PC, erzählt die Gesamtfrauenbeauftragte der Berliner Finanzämter, Susanne Bewersdorf.

Im Bezirksamt von Friedrichshain- Kreuzberg gibt es in einzelnen Ämtern schon interne Alarmsysteme. Künftig sollen in allen Bereichen, die Kontakt mit dem Bürger haben, solche Systeme eingeführt werden. Außerdem gibt es Deeskalationsschulungen, psychologische Beratung und eine Kostenübernahme bei Prozessen gegen gewalttätige Kunden. Vor kurzem wurde vom Bezirksamt ein umfassendes Konzept zum Umgang mit seelischer und körperlicher Gewalt verabschiedet.

Wolfgang Lähme vom Bürgeramt im Neuköllner Rathaus zweifelt, ob ein internes Alarmsystem bei seiner Klientel helfen würde. Seit einiger Zeit gibt es einen breitschultrigen Wachschutzmann zur Abschreckung. Lähme erinnert sich an eine Zusammenrottung von jungen Männern, die sich um Wartemarken stritten. Da hätte Lähme am liebsten einen Alarmknopf direkt zur Polizei gedrückt. loy

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