Berlin : Sicherheitspanne nach Brand bei der U-Bahn

Zug fuhr im Tunnel dicht an Fahrgästen vorbei, die zuvor eigenmächtig ausgestiegen waren. Feuerwehr äußert Kritik

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Ein vermutlich durch einen defekten Stromabnehmer an einem Zug ausgelöster Brand, der schnell gelöscht war, hat am Montag Schwachstellen im Sicherheitssystem der BVG offenbart. Kurz nach 10 Uhr hatte es in einem Zug auf der Linie U 7 (Rathaus Spandau–Rudow) vor dem Bahnhof Kleistpark nach Angaben von Fahrgästen einen heftigen Knall am letzten Wagen gegeben, woraufhin der Zug stoppte. Anschließend qualmte es kräftig. Während Fahrgäste eigenmächtig im Tunnel ausstiegen, fuhr der zunächst haltende Zug ein paar Meter weiter in den Bahnhof; dicht vorbei an den neben dem Zug stehenden Menschen.

Der Zug Richtung Spandau hatte nach dem Knall so gestoppt, dass der hintere Teil noch im Tunnel stand. Weil der Fahrer aber die Türen öffnen musste, damit die Fahrgäste aus den am Bahnsteig haltenden Wagen aussteigen konnten, gingen auch die Türen der hinteren, noch im Tunnel stehenden Wagen auf. Der Fahrer hatte nach Angaben von Fahrgästen zwar dazu aufgefordert, im Zug zu bleiben. Wegen des Qualms kletterten Fahrgäste aber aufs Gleis, um zum Bahnsteig zu gehen. Dabei halfen Fahrgäste, die zuvor die Wagen am Bahnsteig verlassen hatten. Nach Angaben eines Helfers war erst kurz vor dem erneuten Anfahren des Zugs eine ältere Frau mit seiner Hilfe aus dem im Tunnel stehenden Wagen geklettert.

Der Fahrer habe nicht sehen können, dass Fahrgäste eigenmächtig ausgestiegen waren und sich im Tunnel befanden, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Grundsätzlich sollten Fahrgäste den Zug erst am Bahnsteig verlassen. Deshalb habe der Fahrer den Zug auch komplett an den Bahnsteig gefahren. Hier müsse man mit der BVG sprechen, um solche Situationen in Zukunft zu verhindern, hieß es bei der Feuerwehr. Durch das erneute Anfahren des Zuges seien die Fahrgäste im Tunnel gefährdet gewesen – unabhängig davon, dass sie zuvor eigenmächtig ausgestiegen waren.

Auch aus dem folgenden Zug, der im Tunnel warten musste, seien einige Fahrgäste durch gewaltsames Öffnen der Türen ausgestiegen und durch den Tunnel gelaufen, sagte Reetz. Dies habe der Fahrer gesehen und mitgeteilt, weshalb die Feuerwehr den Tunnel absuchte, ohne aber jemanden zu treffen. Auch Fahrgäste des Gegenzuges Richtung Rudow mussten den Zug über den verqualmten Bahnsteig im Bahnhof Kleistpark verlassen. Dies sei richtig gewesen, da der Fahrer dieses Zuges zunächst nicht habe wissen können, woher der Qualm komme, sagte Reetz. BVG-Mitarbeiter löschten das Feuer, bevor die Feuerwehr eintraf. Im Bahnhof befindet sich eine Sicherheitszentrale mit zahlreichen BVG-Beschäftigten. Ob auch sie eingriffen, war nicht zu klären. Die Feuerwehr war von Fahrgästen alarmiert worden. Sie rückte mit sieben Staffeln und rund 50 Mann aus. Nach Angaben eines Sprechers ist ein Fahrgast wegen des Verdachts einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht worden; drei Personen seien kurz von einem anwesenden Arzt behandelt worden. Gegen 11 Uhr konnte der Verkehr wieder aufgenommen werden.

Fahrgäste in einem im Bahnhof Eisenacher Straße wartenden Zug Richtung Rudow freuten sich über ausführliche Erklärungen des Fahrers, der auf den Brand im Bahnhof Kleistpark verwies und um Geduld bat, weil es bei der U-Bahn keine Überholgleise gebe. Im Übrigen wisse er auch nicht viel mehr. Neuigkeiten werde er aber sofort mitteilen.

Weil ein Lokführer am frühen Morgen am S-Bahnhof Hackescher Markt um 5.30 Uhr eine Person im Gleis gemeldet hatte, war der Verkehr zwischen Alexanderplatz und Friedrichstraße eine Stunde unterbrochen. Klaus Kurpjuweit

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