Berlin : Sicherheitsstufe 1: Israels Präsident ist da

Die Gullys sind verplombt, alle Winkel durchkämmt. Während des Besuchs von Moshe Katzav herrscht höchste Alarmbereitschaft

Christoph Stollowsky

Es war der Tag der Sicherheitsexperten: Kein Gullydeckel entging ihren Blicken, kein Parkautomat und kein Verteilerkasten der Bewag blieb unkontrolliert. Am Sonntag leisteten Spezialisten der Kripo vor dem Hotel Interconti an der Budapester Straße und vor dem Jüdischen Gemeindehaus in der Fasanenstraße ganze Arbeit. Sie begannen am frühen Morgen und untersuchten bis zur Ankunft des israelischen Staatspräsidenten Moshe Katzav alle denkbaren Verstecke, an denen Sprengstoff verborgen sein könnte.

Der besonders gefährdete Staatsgast landete am Sonntag gegen 18 Uhr auf dem militärischen Teil des Flugplatzes Tegel und fuhr von dort im streng bewachten Konvoi zum Hotel Interconti. Hier logiert Katzav bis zu seinem Abflug am Dienstagmittag. Gegen 21 Uhr traf der Staatspräsident im jüdischen Gemeindehaus in der Fasanenstraße ein, um hier vor der Gemeinde zu sprechen.

Am Sonntagvormittag waren noch Polizeitaucher angerückt, um in ihren Neoprenanzügen in den eiskalten Spreekanal direkt hinter dem Hotelgebäude zu steigen. Zugleich wurden die Spazierwege auf beiden Seiten des Gewässers gesperrt und ebenso wie der Kanal nach Sprengstoff durchsucht. Spürhunde suchten jeden Quadratmeter ab. Anschließend waren sie auch im Hotel im Einsatz. Zeitgleich durchkämmten Fachleute die Budapester Straße, die voraussichtlich während des gesamten Staatsbesuches für Autos dicht bleibt. Jeder Gullydeckel wurde mit Plomben gesichert, damit keine Bomben darunter abgelegt werden können. An jedem Lampenmast schraubten Beamte die Elektrokästen auf, um zu überprüfen, ob sich jemand an den Anschlüssen zu schaffen gemacht hat. Sie schauten ins Innere aller Parkautomaten und Telefonkästen und durchkämmten auch das gesamte Interconti, das bis zur Abreise des Gastes am Dienstag rund um die Uhr von Scharfschützen bewacht wird.

Um die Mittagszeit zog der Sicherheitstrupp dann zur Fasanenstraße weiter – und nahm dort zuallererst das Hotel Kempinski unter die Lupe. Sein Eingang zur Fasanenstraße wurde verschlossen, zugleich stellten Beamte Absperrgitter an den Einmündungen zum Kurfürstendamm und zur Kantstraße auf. Die Fasanenstraße wurde bis tief in die Nacht komplett abgesperrt. Nicht einmal Fußgänger durften passieren.

Auch in den kommenden Tagen rechnet die Polizei mit größeren Verkehrsbehinderungen während des Staatsbesuches. Man wolle „das öffentliche Leben zwar möglichst wenig stören“, heißt es, aber die bis Dienstag geltende Sicherheitsstufe 1 erfordere massive Sperrungen. Besonders betroffen sind folgende Straßen:

Am heutigen Montag die Straße des 17. Juni zwischen Großem Stern und Brandenburger Tor. Denn Moshe Katzav besucht am Vormittag erst den Bundespräsidenten im Schloss Bellevue und dann Gerhard Schröder im Bundeskanzleramt. Am Nachmittag soll der Verkehr wieder normal fließen. Das Protokoll sieht einen Besuch in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen bei Oranienburg vor.

Am Dienstagvormittag wird die Straße Unter den Linden zwischen Brandenburger Tor und Spandauer Straße besonders betroffen sein. Denn der Staatsgast hat Termine im Roten Rathaus und am Bebelplatz, wo er sich die Bibliothek der verbrannten Bücher anschaut.

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