Berlin : Sidos Durchbruch

Unbekannte stiegen bei Plattenlabel des Rappers ein

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Die Leute vom Independent-Musiklabel Aggro Berlin haben gerade einen Safe bestellt. Den werden sie künftig brauchen: Am Wochenende wurde in den Büroräumen an der Kreuzberger Blücherstraße 22 eingebrochen . Der oder die Täter hatten es auf die neue CD des Aggro-Sängers Sido abgesehen. Sie müssen über die Wendeltreppe von draußen gekommen sein, sind dann durch drei Büros gestiegen – bis sie durch die Rigips-Wand über einer Heizung ins Aggro-Büro einbrachen.

Sido, den sie hier alle Siggi nennen, kniet zwischen CDs, Bändern, dem Dreck am Boden. Die Schubfächer waren durchwühlt, alles auf dem Boden verstreut – die goldene Schallplatte von Sido an der Wand wurde zerstört. „Das muss jemand gewesen sein, der meine neue CD stehlen und sie vor Erscheinen ins Internet stellen wollte, um mir das Geschäft zu zerstören“, sagt der 25-jährige Rapper, der mit Maske und drastischen Titeln über die Jugendszene im Märkischen Viertel bekannt wurde. Längst lebt der Sohn einer Inderin und eines Deutschen vom Musikmachen. „Gold“ lautet eine der vielen Tätowierungen am Hals – die bekam er für mehr als 100 000 verkaufte Alben.

Doch diesen Erfolg, so die Vermutung des Rappers, wollte ihm jetzt jemand mit dem Diebstahl des neuen Albums „Ich“, das am 1. Dezember erscheint, vermasseln. „Wahrscheinlich jemand aus der Berliner Hiphop-Szene.“ Die neue Scheibe lagert aber woanders, Sido hatte Glück. Doch vermutlich sind jetzt Demotapes und Festplatten weg. Hightechgeräte, Bildschirme, Laptops – all das ließen die Diebe liegen. Aber die Druckfahne seines bald erscheinenden Buches „Ich will mein Lied zurück“ haben die Einbrecher mitgehen lassen. Sie müssen ortskundig gewesen sein. In der Musikbranche wird Einbruchdiebstahl offensichtlich langsam beliebt: Der Berliner Band Rosenstolz entwendeten Einbrecher im April Computer mit Songs aus ihrem Berliner Studio.

Ob es jetzt bei Aggro womöglich jemand aus den eigenen Reihen war, ob das Ganze gar ein PR-Gag sein könne? Das sei abwegig, die Plattenfirma sei viel zu erfolgreich und seriös, als das man sich so was erlauben könne, sagt auch einer der Aggro-Chefs. In jedem Fall werde man aber keinen Label–Krieg vom Zaune brechen und zu gewalttätigen Racheakten aufrufen. Sido lässt seinen Ärger in gewohnter Weise verbal raus. „Könnt ihr einen gestreckten Mittelfinger drucken?“, fragt er und grient. kög/ctr

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