Berlin : Sie bleibt in Berlin und behält ihr Mandat

Brigitte Grunert

Augen gerade aus, schwarzes Kleid, weinrotes Jäckchen, verhaltener Scherz: "Wie Sie sehen, bin ich nicht in Uniform erschienen." So zeigt sich Annette Fugmann-Heesing der Presse als unermüdliche Reformerin. Nun also der Bundeswehr. Und natürlich immer wieder der Berliner SPD. "Wenn es nur um Schönheit ginge, könnte ich mir auch Schöneres vorstellen", sagt sie lächelnd auf die Frage, warum es denn so schön sei, auch eine Hauptrolle in der Partei zu übernehmen, die ihr als Finanzsenatorin den Stuhl vor die Tür gesetzt hat. Die Frau muss Sendungsbewusstsein haben, wo immer es um Zukunftsgestaltung geht.

Da betritt sie mit 45 gern Neuland als künftige Geschäftsführerin der GmbH für "für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb" (der Bundeswehr), die zum 1. Juni gegründet wird. Sie hat sich von zwei Angeboten nach langen Verhandlungen (mit Rudolf Scharping seit dem 7. Dezember) für das eine mit einem Fünf-Jahre-Vertrag entschieden, weil das andere den Ausstieg aus der Berliner Politik bedeutet hätte. Sie bleibt also mit der Familie in Berlin wohnen, behält ihr Mandat im Abgeordnetenhaus und den Vorsitz im Wissenschaftsausschuss, kandidiert für die Parteifunktion bei der turnusmäßigen Vorstandswahl am 15. Juli als stellvertretende Landesvorsitzende. Gesellschaftssitz der Agentur wird Bonn, aber sie hat sich auch ein Büro in Berlin gesichert. Das bedeutet natürlich Pendeln und Reisen. Wieso dann noch die Partei? Wieder ein überlegenes Lächeln: "Alle sind zeitlich belastet. Wir hatten viel Zeit für unnötige Verschleißdiskussionen. Wenn wir die lassen, ist genügend Zeit für strategische." Die wesentliche Aufgabe der Berliner Parteispitze definiert sie knapp: "Wir müssen in bestimmten politischen Feldern mit eigenen Perspektiven öffentlich wahrnehmbar sein." Sie selbst will sich um Wirtschaft und Finanzen kümmern, um was sonst? Also die Partei soll das Thema Sparen und die Innovation in sozialer Gerechtigkeit nicht abschütteln wie die Finanzsenatorin. Und Peter Strieder wird Annette Fugmann-Heesing nicht los. Aber den Landesvorsitz soll er behalten: "Die SPD hat zu viele Parteivorsitzende verschlissen. Profil gewinnt man mit personeller Kontinuität. Es gibt keine Alternative zu Peter Strieder." Der zeigte gleich nach der Fugmannschen Pressekonferenz seine Muskeln: "Es steht mir nicht zu, Einzelkandidaturen zu kommentieren." Er werde der Partei "zu gegebener Zeit seine Personalvorschläge für ein kooperationsfähiges Team" nennen. Nein, das sei nicht kühl gemeint, schiebt SPD-Sprecherin Anja Sprogies nach.

Den künftigen Geschäftsführenden Landesvorstand wünscht sich Frau Fugmann als "dynamische Mann- und Frauschaft", ein führungs- und verantwortungsbewusstes Team. Dafür sieht sie "genügend Mitstreiter". Der Kreis Reinickendorf hat sie als Vizevorsitzende nominiert. Und sie muss "niemanden hinauskegeln", denn die Stellvertreter Monika Buttgereit und Klaus Uwe Benneter scheiden ja aus. Desgleichen Landeskassiererin Ingeborg Junge-Reyer, für die der Ex-Senator Klaus Riebschläger kandidieren soll.

Da sie weiß, wohin die Reise gehen muss, wird sie gleich gefragt, warum sie nicht sagt, ob sie 2004 für das Amt des Regierenden Bürgermeisters kandidieren will. Lachende, aber sehr disziplinierte Antwort: "Man kann ja vieles sagen, ich sage es nicht."

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