Berlin : Sie erkennt in der Frau die Prinzessin

Designerin Anna von Griesheim kleidet die Vielbeschäftigten, Wichtigen und Schönen ein. Angela Merkel hat sie einen märchenhaften Auftritt verschafft

Elisabeth Binder

Es darf nicht knittern und nicht rutschen, nicht zu auffällig aussehen, aber bitte auch nicht bieder: Frauen haben es oben auf der Erfolgsleiter ziemlich schwer, das Richtige zum Anziehen zu finden. Anna von Griesheim zählt zu ihren Kundinnen Spitzenpolitikerinnen wie Schauspielerinnen, aber auch Architektinnen, Ärztinnen. Meist viel beschäftigte Frauen, die nicht daran denken können, sich für jeden Termin neu umzuziehen, die für die Auswahl und den Kauf von Kleidung nicht hundert Stunden vor dem Spiegel verbringen können.

Ihr Name fällt immer wieder dort, wo Frauen auf Empfängen die Köpfe zusammenstecken – so auch am Freitag bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises. Als vor Jahren die Outfits von Angela Merkel kritisiert wurden, fragte eine selber sehr erfolgreiche Frau, ob es nicht jemanden gäbe, der sie „mal mit zu Anna nehmen“ könne. Die 39-Jährige hat warme braune Augen, lange schwarze Locken und ein schönes Gesicht. Eigentlich könnte sie gut für ihre eigene Kollektion modeln. Wenn man neben ihr die Straße überquert, streckt sie schützend die Hand aus, als wolle sie einen davor bewahren überfahren zu werden. Sie trägt ein Stretch-Top über einer schwarzen Hose. Allein die Ringe und der Perlengürtel im Stil eines Bettelarmbands demonstrieren die Extravaganz, die man von einer Designerin erwartet. Ihre Mode gilt als ausgesprochen tragbar, aber sie liebt es auch, märchenhafte Abendkleider zu entwerfen, die Prinzessin in der Frau zu sehen. „Ich mag Frauen“, sagt sie schlicht. Jedes Teil ihrer Kollektion probiert sie an sich selber aus, prüft, ob es auch nirgendwo klemmt und zwickt.

Was nützt das schickste Abendkleid, wenn man keinen BH drunter tragen kann, sobald man ihn nötig hat? Ihr Ideal ist groß und einfach: Man muss sich in einem Kleidungsstück einfach vergessen können. Wenn eine Politikerin eine große Rede zu halten hat, dann darf sie nicht mehr über ihr Kleid nachdenken. Gerade Politikerinnen und Künstlerinnen müssen ständig damit rechnen, dass sie in unerwarteten Momenten fotografiert werden. Sie dürfen sich auch keine Sorgen machen müssen, als verschwenderische Designer-Kundinnen verschrien zu werden. „Unsere Teile sind nicht teurer als die gehobenen Kollektionen in vielen Kaufhäusern. Abendkleider gibt’s ab 800 Euro“, sagt Anna von Griesheim, die am Wochenende die Neueröffnung ihres Showrooms in der Pariser Straße 44 feierte.

Sie möchte nicht, dass Kundinnen ihre Kleider aus einer Laune heraus kaufen. Lieber rät sie ihnen, noch eine Nacht drüber zu schlafen. „Wenn Sie morgen beim Aufwachen an das Teil denken, dann nehmen Sie es.“ Das weibliche Element ist ihr wichtig. Der Typus Frau, der Attraktivität mit Intelligenz und Erfolg verbindet, liegt ihr. Taillierte Jacken, Hosen, die auch mal den Knöchel sehen lassen, als Alternative zum Schwarz mal ein Schokobraun nehmen. Und auch dort ein Bekenntnis zum Glamour abgeben, wo es nicht erwartet wird. Bei einem Auftritt in Bayreuth wurde Angela Merkel von den staunenden Fotografen der Hochglanzblätter in einer türkisfarbenen Robe mit passender Stola fotografiert. Das Modell kam auch aus der Pariser Straße.

Anna von Griesheim ist eine eher scheue Frau, die gar nicht gern über sich redet, vor allem das in ihrem Beruf eigentlich wichtige Namedropping hasst. Iris Berben, die regelmäßig zu den am besten angezogenen Frauen des Landes gewählt wird, zählt zu ihren Kundinnen, Moderatorinnen wie Sandra Maischberger und Sabine Christiansen und Jungstars wie Julia Jentsch und Nina Hoss.

Gerade bei prominenten Frauen muss es mit einem Kleid oft ganz schnell gehen. Viele Entscheidungen, an einem Event teilzunehmen, werden sehr spontan getroffen. Die meisten Kollektionsteile hat sie in 38 oder 40 fertig und passt sie dann an. „Sie ahnen nicht, wie viele Größen 38 es gibt“, sagt sie.

Welche Basics braucht eine Erfolgsfrau unbedingt? Eine weiße Stretchbluse nennt sie, eine Kombination aus Hosenanzug und Rock. Und einen Kurzmantel oder auch einen Gehrock, den man drinnen und draußen tragen kann. So ausgerüstet kommt man drei bis vier Tage über die Runden. Sie selbst ist viel unterwegs, auch im Flugzeug, weiß, dass Sachen nicht knittern dürfen. Sie liebt die offene Atmosphäre in der Stadt, probiert gerne neue Orte aus. „Ich versuche immer, neue Wege zu finden, wenn ich morgens ins Geschäft fahre.“ Solche kleinen Rituale fühlen sich für sie an wie Ferien.

Ende der 80er Jahre kam sie der Liebe wegen nach Berlin. Mit dem Partner von damals, einem Architekten, ist sie immer noch zusammen. An ihm probiert sie ihre heimlichen Träume aus. Sie würde gern öfter für Männer schneidern. Und eine eigene Schuhkollektion entwerfen, denn Schuhe sind ihre Leidenschaft. Sie selber trägt, weil sie ständig treppauf, treppab unterwegs ist, am liebsten flache Schuhe, deshalb auch gerne Hosen. Ein Problem, das die Mode heute hat, ist, dass sie oft von überhöhten Frauenbildern bestimmt ist, 1 Meter 80 groß, 50 Kilogramm schwer. Aber die meisten Frauen sind anders, und vor allem die Männer mögen sie auch anders.

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