Berlin : Sie gehören wieder zum Team

Nach ihrer Haftentlassung in Schweden sind Brad Bergen und Yvon Corriveau zurück in Berlin. Anwälte prüfen Regressansprüche

Claus Vetter

Müde und erschöpft sehen sie aus, Brad Bergen und Yvon Corriveau. Kein Wunder, nachdem, was die beiden Eishockeyprofis der Berliner Eisbären in den letzten 19 Tagen erlebt haben. Corriveau gilt auf dem Eis als harter Typ, die Eisbären-Fans brüllen schon mal „Eisern Corriveau“ wenn der 1,90 Meter große Kanadier ein Tor schießt. Am Donnerstag erinnert nichts daran. Corriveau kämpft mit den Tränen, hält die Hand vor sein Gesicht. „Wenn dir jemand einfach so deine Freiheit wegnimmt, dann ist das ein Albtraum“, sagt er. Corriveaus Gefühlsausbruch wirkt nicht inszeniert, der „Albtraum“ ist für ihn und Brad Bergen erst seit Mittwoch vorbei. Seit dem 23. August saßen die Profis im schwedischen Hässleholm in Untersuchungshaft. Vergewaltigung lautete der Vorwurf, der sich von der Staatsanwaltschaft nicht aufrechterhalten ließ, nachdem die Befunde der Gerichtsmedizin vorlagen.

Am Mittwoch kamen die Profis frei. Ihre Ehefrauen sind am Donnerstag mitgekommen, wollen die Ehemänner bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt nach der Freilassung zur Seite stehen. Eine Demonstration der Einigkeit, die Manager Peter John Lee als Offizieller der Eisbären unterstützt. „Die vorläufige Suspendierung gegen unsere beiden Spieler ist aufgehoben“, sagt Lee. „Sie gehören ab sofort wieder zum Team.“

Die Eisbären hatten ihr Trainingslager in Schweden abgehalten, die Tat sollte sich laut Aussage der Frau in einem Zimmer des Mannschaftshotels in der Kleinstadt Tyringe ereignet haben. Darauf hin wurden Bergen und Corriveau verhaftet. „Das war schon verrückt“, sagt Bergen. Der ehemalige deutsche Eishockey-Nationalspieler wirkt gefasster als Corriveau: „Noch am Mittwoch um neun Uhr hieß es, die Staatsanwältin wolle ihre Beweise vorlegen. Eine Stunde später hieß es dann, wir könnten gehen. Entschuldigt hat sich niemand bei uns.“ Die Geschichte, sagt Bergen, sei damit noch nicht beendet: „Es wird Konsequenzen geben.“ Die Anwälte wollen nun gegen die 20-jährige Frau wegen ihrer offensichtlichen Falschaussage vorgehen, eventuell auch Regressansprüche gegen den schwedischen Staat stellen. „Unsere Unterstützung haben sie“, sagt Eisbären-Marketingchef Billy Flynn. „Bergen und Corriveau sind unschuldig, das ist alles nicht korrekt abgelaufen in Schweden. Schließlich wurden sie daran gehindert, ihren Beruf auszuüben.“

Am Mittwochabend hatte eine Delegation der Eisbären Bergen und Corriveau am Fährhafen Rostock abgeholt, auf der Fahrt nach Berlin gab es ein erstes Gespräch zwischen Management und Spielern. „So ganz klar im Kopf waren die noch nicht“, sagt Lee. „Jetzt sollen sie das Wochenende mit ihren Familien verbringen, dann können sie entscheiden, wann sie wieder trainieren wollen.“

Natürlich wollen viele wissen, was oder ob sich überhaupt etwas ereignet hat in jener Nacht im Zimmer des Mannschaftshotels: Die Betroffenen äußern sind nicht. Dort fängt ihre Privatsphäre an – das sagt zwar keiner bei den Eisbären explizit, aber es ist den Zwischentönen zu entnehmen. Die Teamkameraden von Bergen und Corriveau sind jedenfalls erleichtert. Sie trainierten gestern im Sportforum Hohenschönhausen, freuten sich auf ihr heutiges Spiel gegen Augsburg. „Die Jungs haben uns Leid getan“, sagt Stürmer David Roberts. „Wir sind froh, dass sie zurück sind.“

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