Berlin : Sie lässt Berlin gut aussehen

Mode, Musik und Film sind ihr Job: Tanja Mühlhans kümmert sich als Referentin des Senats um die Wachstumsbranchen

Grit Thönnissen

So manchem würde das schmale Büro mit den braunen Resopalmöbeln, den Neonleuchten und dem abgewetzten Linoleumboden in tiefe Depressionen stürzen. Tanja Mühlhans scheint die nüchterne Atmosphäre im Gebäude der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen zu inspirieren. Oft brennt bei der Referentin für Medien- und Filmwirtschaft noch das Licht, wenn die meisten ihrer Kollegen schon längst auf dem Heimweg sind – dann schreibt sie noch eine Mail an die Pariser Unesco-Botschafterin, bereitet ein Treffen zwischen Politikern und kleines Musikfirmen vor oder denkt über ein neues Mentorennetzwerk nach.

Das Referat, das sich um die Medien- und Kommunikationswirtschaft und seit Anfang Januar auch um die Designbranche kümmert, nennt sie „das gallische Dorf“. Man kann wirklich nicht behaupten, dass Tanja Mühlhans dem Klischee einer Verwaltungsbeamtin entspricht: Die schlanke, blonde Frau hat schon in ihrem ersten Job nach ihrem BWL-Studium sofort angefangen, Netzwerke aufzubauen, um Leute zusammenzubringen. Und sie ist gern abends unterwegs auf Empfängen, auf Partys und Konzerten. In den nächsten Tagen kann man sie mit Sicherheit auf der ein oder anderen Modenschau und auf den Berliner Modemessen treffen, die heute beginnen.

Die Veranstalter der Messen haben Tanja Mühlhans inzwischen als zähe Vermittlerin zwischen Politik und Wirtschaft kennen und schätzen gelernt. „Ohne sie wäre in Berlin nicht viel passiert, sie hat uns alle zusammengebracht“, sagen Anita Bachelin und Norbert Tillmann von der Modemesse Premium. Und fügen überaus herzlich hinzu: „Danke, Tanja“. Die beiden Macher der Premium sitzen mit am „Runden Tisch für Creative Industries“, der von Tanja Mühlhans ins Leben gerufen wurde. Einmal im Monat wird hier über Probleme, Ideen und Möglichkeiten gesprochen, die Designbranche nach vorne zu bringen – ob mit gemeinsamen Messeständen, oder der finanziellen Unterstützung von Jungdesignern. Aus den Treffen hat sich das Netzwerk „Create Berlin“ entwickelt, das wirtschaftlich arbeiten soll und seit einem Monat sogar eine voll bezahlte Geschäftsführerin hat.

Quasi nebenbei hat die Tanja Mühlhans eine 60-seitige Bewerbung für Berlin als Unesco-Designstadt geschrieben. Und sie hatte Erfolg: In der vergangenen Woche wurde der Titel, wie berichtet, offiziell im Roten Rathaus verliehen. Ganz uneigennützig war ihr Vorhaben nicht, das gering entwickelte Selbstbewusstsein Berlins zu stärken. Den Satz: „Ich wusste gar nicht, dass es so viel interessante Dinge in der Stadt gibt“, hat sie seitdem ständig gehört. Und noch etwas hat der neue Titel für sich: „Im Senat kann keiner mehr sagen, das gibt es nicht“, so die Referentin.

Vielleicht ist die 36-Jährige so erfolgreich, weil sie es von zu Hause gewohnt war, sich alles hart zu erarbeiten. Ihr erstes eigenes Geld verdiente sie als 14-Jährige. „Bei uns ging es immer darum, wie man aus dem Wenigen, was einem zur Verfügung steht, das Beste macht.“ Ihr ist bewusst, dass die Kreativbranche in Berlin weder in der Musik, im Design noch in der Mode von großen Namen und dem großen Geld bestimmt wird. „Hier gibt es viele Betriebe mit ein, zwei Mitarbeitern, die muss man fördern“, sagt sie. Zum Beispiel, in dem man sie mit Vertretern der Banken zusammenbringt, damit die ein Verständnis für die kleinen Fische entwickeln und sie mit Krediten unterstützen.

Als am Ende des vergangenen Jahres überraschenderweise noch Geld aus EU- und Landesmitteln übrig war, handelte Tanja Mühlhans blitzschnell: Innerhalb von sechs Wochen entstand in den Räumen des Modeladens „Berlinomat“ in Friedrichshain eine Ausstellungs- und Verkaufsfläche für die Entwürfe der Designstudenten aller Modeschulen. Dreiviertel der Baukosten übernahm die Wirtschaftsverwaltung. Gestern wurde der neue Laden „Berlinomat Youngsters“ von ihrem Chef, Wirtschaftssenator Harald Wolf, eröffnet. Auch Tanja Mühlhans war dabei.

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