Berlin : Sie nahm es von den Müttern – und gab es ihrem Mann

Die Frau schluchzte und saß wie ein Häufchen Elend vor den Richtern. „Ich hatte immer Angst, meinem Mann nicht zu genügen“, hauchte sie. Mit Luxus wollte die 40-Jährige kitten, was längst in die Brüche gegangen war. Ihre Strategie basierte auf Lug und Trug. Anja P. zweigte als Mitarbeiterin des Müttergenesungswerks und einer weiteren Stiftung insgesamt 255 000 Euro für ihr erhofftes Glück ab. Das Amtsgericht verurteilte sie zu zwei Jahren und acht Monaten Gefängnis.

Ihre steile Karriere als Hochstaplerin begann bereits auf der Jobsuche. Anja P. gab sich als Diplom-Politologin aus, obwohl sie nur ein paar Semester studiert hatte. Sie saß ab November 2003 in einem Büro beim Müttergenesungswerk. Spenden und Sponsoring wurden ihr Alltag. Die Mutter einer Tochter aber arbeitete immer intensiver in die eigene Tasche. Sie schrieb fingierte Rechnungen und füllte ab 2004 ihre Konten. „Irgendwann wurde es ein Automatismus“, gestand sie.

Aus Liebe sei es geschehen und aus Verzweiflung, meinte die Angeklagte. „Ich wollte schön für ihn sein.“ Und sie wollte ihrem Mann, der oft Affären hatte, jeden Wunsch erfüllen. „Damit er Dinge tun kann, die ihm wichtig sind“, sagte die Betrügerin. Der Sozialpädagoge sah sich die Welt an, reiste nach Australien oder Kolumbien. „Wenn er wiederkam, war alles gut“, meinte die Frau. Nie habe er hinterfragt, wie sie das alles von ihren 1800 Euro im Monat bezahlen konnte.

Anja P. aber bekam Ärger in der Stiftung. Sie hatte das Budget überzogen und verlor den Job. Dreist zog sie vors Arbeitsgericht. Parallel gelang es ihr, bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten angestellt zu werden. Wieder ging es um Fragen des Sponsorings. Wieder langte sie schamlos zu. Obwohl wegen der Sache beim Müttergenesungswerk bereits ermittelt wurde, fälschte Anja P. erneut Rechnungen und ergaunerte insgesamt rund 25 000 Euro. Im Sommer 2008 wurde die Hochstaplerin verhaftet. Ihr Mann verließ sie sofort. K.G.

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