Berlin : Sie waren jung und brauchten das Geld

Selbst dort, wo das Studium noch gebührenfrei ist, muss es finanziert werden Drei Berliner Hochschulabsolventen erinnern sich an ihre Studentenjobs

Moritz Honert

Call-Center, studentische Hilfskraft, Kneipe: zum Stichwort Studentenjobs fallen den meisten Menschen stets dieselben drei Möglichkeiten ein. Abseits von Telefon, Testreihen oder Tresen gibt es jedoch ein weites Feld an Möglichkeiten, sein Studium zu finanzieren. Jedenfalls dann, wenn man jung und flexibel ist.

Mitunter kann man dabei sogar ein wenig Jet-Set-Luft schnuppern. Wie beispielsweise Roland Heiler (alle Namen geändert). Der 28-jährige Grafikdesign-Student finanzierte sein Studium als Model. Wer ihn trifft, glaubt ihm das jedoch nicht unbedingt. „Wie ein Hollywoodstar sehe ich wirklich nicht aus“, sagt Heiler und lacht. Sein Glück ist, dass viele der mehr als 60 Model-Agenturen der Stadt nicht alleine mit klassischen Schönheiten arbeiten. „Meine Agentur zum Beispiel sucht Typen, keine Schönlinge mit Waschbrettbauch“.

Die Verdienstmöglichkeiten seien gut, berichtet Heiler. Je nach Auftraggeber könne man pro Tag leicht 500 bis 1200 Euro verdienen, für Film- statt Fotoaufnahmen auch mehr und noch einmal einen Zuschlag gäbe es, wenn die Kampagne nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland laufe. Leider kämen die Aufträge recht unberechenbar rein, und besonders aufregend müsse man sich eine solche Nebenbeschäftigung auch nicht vorstellen. International bekannten Topmodels oder Filmstars sei er in fünf Jahren noch nie begegnet. Dafür hätte er gelegentlich im Ausland arbeiten können. „Mini-Urlaub vom Studium“, sei das stets gewesen.

Deutlich wagemutiger verdingte sich Marco Hinz. Neben seinem Medizinstudium arbeitete er als Medikamententester. „Das klingt ähnlich riskant wie Testpilot, oder?“, scherzt der 31-Jährige heute. Gefährlich seien solche Tests jedoch nur in Ausnahmefällen. Viele Medizinstudenten würden das machen und Unfälle wie bei einer Studie im Jahr 2006 in England, bei der einige Probanden an Krebs erkrankten, seien eine absolute Ausnahme. Nichtsdestotrotz wurde ihm bei seinem ersten Mal etwas mulmig. Das Antibiotikum, das es zu testen galt, löste bei ihm ungeahnte Übelkeit aus.

Empfehlenswert sei der Job trotzdem, meint Hinz und beteuert, dass er das nicht nur sage, weil er inzwischen selbst Freiwillige für Tests suche. Die 1000 Euro, die er für die fünf Tage lange Antibiotika-Einnahme bekam, seien dank der recht entspannten Arbeitsbedingungen leicht verdientes Geld gewesen. „Von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends standen wir unter Beobachtung, und alle halbe Stunde wurde uns Blut abgenommen. Dazwischen konnten wir machen, wozu wir Lust hatten: lesen, Musik hören, Filme gucken.“

Weniger schöne Erinnerungen hat die 27-jährige Tina Bauer an ihren Studentenjob. „Die meisten Menschen denken an Mafia und Menschenhandel, wenn ich davon erzähle“, sagt sie. „Dabei war ich weder im Rotlicht- noch Rauschgiftgewerbe, sondern habe nur als Blumenverkäuferin gearbeitet.“ Anders als bei den durch die Kneipen ziehenden Rosenverkäufern lagen auf der Route der BWL-Studentin allerdings Nobelrestaurants und in ihrem Korb Biedermeiersträuße für sechs Euro. Der Stundenlohn von fünf Euro sei mäßig gewesen, dafür gab es öfter mal großzügiges Trinkgeld. Zumindest von den Leuten, die sie nicht gleich weggescheucht hätten. Trotzdem kein besonders empfehlenswerter Job, sagt Bauer. „Irgendwie fühlt man sich ständig wie ein Bittsteller.“ Als sie etwas „Anständiges“ gefunden hatte, kündigte sie deshalb umgehend.

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