• „Sie wollten in der rechten Szene berühmt werden“ Brandanschlag auf Imbiss: Prozess gegen mutmaßliche Neonazis

Berlin : „Sie wollten in der rechten Szene berühmt werden“ Brandanschlag auf Imbiss: Prozess gegen mutmaßliche Neonazis

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Sie wollten einen türkischen Imbiss in ein Flammenmeer verwandeln, in dem die Gäste sterben sollten, sie wollten Ruhm. Davon ist die Staatsanwaltschaft im Prozess gegen drei mutmaßliche Neonazis überzeugt. „Um in der rechtsradikalen Szene Berühmtheit zu erlangen und aus Ausländerhass“ warfen die drei Lehrlinge laut Anklage Molotow-Cocktails in den „Palast-Imbiss“ in Hellersdorf. Seit gestern müssen sich die 17- bis 21-Jährigen wegen gemeinschaftlichen versuchten Mordes vor einer Jugendstrafkammer des Berliner Landgerichts verantworten. Bei dem Brandanschlag wurde eine Frau leicht am Rücken verletzt.

Alle drei Angeklagten sollen gegenüber den Ermittlern von Ausländerhass gesprochen haben. Der 19-jährige Michel J. hatte von einem Videofilm berichtet, den er kurz vor dem Brandanschlag gesehen habe. Da flogen viele Molotow-Cocktails. Es war ein Film über die ausländerfeindlichen Krawalle in Rostock-Lichtenhagen im August 1992. Damals randalierte der Mob fünf Tage lang.

Voller Bewunderung soll J. gewesen sein und beschlossen haben, eine ähnliche Tat zu begehen. Vor Gericht gaben die Angeklagten mit unauffälligen Frisuren und Turnschuhen zwar pauschal den Brandanschlag zu. „Aber nicht mit dem Hintergrund der Anklage“, erklärte Michel J. Während der weiteren Aussage war die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

In der Nacht zum 1. Februar zogen sie zum „Palast-Imbiss“. Michel J. soll aus zwei Metern Entfernung eine benzingefüllte Flasche in den Imbiss geworfen haben. Er traf eine Frau. Sie schrie auf. Geistesgegenwärtig schleuderte ein Gast die Flasche zurück ins Freie. Der 21-jährige Denis L. warf einen nächsten Molotow-Cocktail. Das zweite Geschoss prallte am Türrahmen ab. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. K. Gehrke

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