• Sie zog nach New York, um zu leben Ingeborg Joseph aus Reinickendorf starb beim Anschlag auf die Türme

Berlin : Sie zog nach New York, um zu leben Ingeborg Joseph aus Reinickendorf starb beim Anschlag auf die Türme

NAME

Unter zwei mächtigen Kiefern liegt die dunkle Marmorplatte, auf dem Friedhof in der Frohnauer Hainbuchenstraße: „Ingeborg Joseph, geb. Fiechtner, 1940-2001, Terroropfer vom 11. September 2001 in New York.“

Im vergangenen Oktober hat der Tagesspiegel Ingeborg Joseph auf der Nachrufseite gedacht. Die gebürtige Reinickendorferin erlag vier Wochen nach dem Terrorangriff im Bellevue-Hospital in New York ihren schweren Verletzungen. Vor einem Jahr hatte ihre Familie uns vom Schicksal der lebenshungrigen Frau erzählt. Die früher Kleidchen trug, so breit wie Gürtel. Die in den angesagtesten Bars jobbte und verbotene Dinge rauchte. Zum Jahrestag der Katastrophe wollte die Familie unter sich bleiben.

Ingeborg Joseph war sechzig Jahre alt, als sie starb. 1967 war sie in der Stadt mit der Freiheitsstatue angekommen – gerade als hunderte Bagger die Grube für das World Trade Center in die Erde wühlten. Später arbeitete sie im 32. Stock des Nordturms, bei einer Spedition in New Jersey. Aber nicht der Arbeit wegen, sondern um zu leben: um jede Woche in die Oper gehen zu können, um den Wanderverein zu finanzieren, hunderte von Büchern, die Literatur-Vorlesungen, die Wochenenden am Atlantic Beach . . .

Am Morgen des 11. September war sie zu spät zur Arbeit gekommen, wieder einmal. Als sie die Treppen hochhetzte, explodierte die Boeing 767 im Nordturm. Es gab kein Entkommen. Ingeborg Joseph starb, kurz nachdem sie sich entschlossen hatte, doch endlich nach Berlin zurückzukehren. New York, hat sie einmal gesagt, ist keine gute Stadt, um alleine alt zu werden. Tsp

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben