Berlin : Sieben Banküberfälle für Liebesgeflüster

21-jähriger Räuber nennt vor Gericht hohe Telefonkosten für eine Internet-Romanze als Motiv

Kerstin Gehrke

Den Rollkragen vom hellen Pulli hochgeschlagen, das schwarze Basecap tief ins Gesicht gezogen, in der rechten Hand eine schwarze Pistole. So spazierte Mladen L. in sieben Banken und erbeutete innerhalb von zwei Monaten in Neukölln, Lankwitz, Wilmersdorf, Spandau und Schöneberg insgesamt rund 55 000 Euro. Geld, das er sofort ausgegeben haben will. „Das meiste fürs Telefonieren“, sagte der 21-jährige Räuber gestern vor dem Berliner Landgericht.

Mladen L. ist schlank, trägt die dunkelblonden Haare kurz und auf der Nase eine Brille mit feinem Gestell. Eigentlich könnte er recht zufrieden sein mit seinem Aussehen. Sein Verteidiger aber sagt: „Er findet sich nicht so ansprechend.“ Wenn seine Kumpels mit ihren Freundinnen im Café saßen, hockte er allein in der Ecke. Kontakte zum anderen Geschlecht suchte er, der noch in der Neuköllner Wohnung seiner Eltern lebte, beim Chatten im Internet. In der virtuellen Welt fand er die Abiturientin Livia in Serbien. Sie gab ihm ihre Telefonnummer. „Man konnte gut mit ihr quatschen“, sagte der Angeklagte. Sie sprachen täglich bis zu zweieinhalb Stunden miteinander.

Bald aber holte ihn die Realität ein. Telefonrechnungen in Höhe von rund 2500 Euro flatterten ins Haus. Der junge Mann, der nach seinem Realschulabschluss keine Ausbildung begonnen hatte und nur ab und zu als Aushilfe im Café seines Bruders etwas Geld verdiente, versteckte sie vor der Mutter. Die Mahnungen, die folgten, zerriss er einfach. Der Anschluss wurde gesperrt. Um die Schulden bezahlen zu können, überfiel der Serbe am 29. August letzten Jahres in Neukölln seine erste Bank. „Geld her, nur große Scheine“, verlangte L. mit einer Gaspistole in der Hand und erbeutete 20 000 Euro.

„Ich bezahlte die Rechnungen, kaufte ein Handy für 450 Euro und Karten dafür, ging ins Casino“, sagte der Angeklagte fast schüchtern. Teure Klamotten habe er sich nicht geleistet. „Damit niemand etwas merkt.“ Nach dem ersten Überfall habe er sich geschworen: „Nie wieder.“ Doch nach zwei Wochen waren seine Taschen wieder leer. „Ich hatte wohl 10 000 Euro beim Spielen an Automaten verloren und kein Geld mehr zum Telefonieren.“ Für die Liebes-Gespräche mit Livia zog er sich wieder einen hellen Rolli an.

Als Krimineller wurde er selbstbewusst: „Ich dachte nach dem zweiten Überfall, ich werde nie erwischt.“ Über die Angst, die er mit der Waffe auslöste, habe er nicht nachgedacht. Am Ende hatte ein Bankkunde, ein pensionierter Polizist, dafür gesorgt, dass Mladen L. mit seiner letzten Beute in Höhe von 2000 Euro geschnappt wurde. An dem Traum von Livia hielt er noch ein paar Wochen fest und schrieb ihr aus der Haft Briefe. Doch dann brach er den Kontakt ab – er schämte sich so sehr. Die Richter wollen am Freitag das Urteil sprechen.

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