Berlin : Sieben Jahre Haft für Spreepark-Witte

Kerstin Gehrke

Der Verteidiger strahlte, der Angeklagte lächelte verhalten: Der frühere Spreepark-Betreiber Norbert Witte wurde am Mittwoch wegen Drogenhandels zu sieben Jahren Haft verurteilt. In seinem Karussell „Fliegender Teppich“ waren 167 Kilogramm reines Kokain versteckt, die Witte von Peru nach Deutschland schmuggeln wollte. Der Millionencoup ging schief, wie so vieles im Leben des Schaustellers.

Pro Kilo Kokain ein Jahr Haft sei Praxis im Moabiter Kriminalgericht, sagen Juristen. Das Strafhöchstmaß wären 15 Jahre gewesen. Im Fall Witte gab es für die Richter jedoch gewichtige Milderungsgründe. Der 49-Jährige sei nach mehreren Herzinfarkten so krank, dass seine Lebenserwartung deutlich verkürzt sei, begründete das Berliner Landgericht am Mittwoch. Der Mann stehe vor den Trümmern seines Lebens. Witte habe ein Geständnis abgelegt, deutliche Reue gezeigt. Zudem wurde ihm angerechnet, dass er Aussagen zu einer Straftat gemacht hat, von der er in der Haft erfahren hatte. Ein Urteil, das von Mitleid geprägt ist? Keinesfalls, sagte die Anklägerin. „Er ist todkrank. Man muss ihm noch eine Perspektive lassen.“

Schlapphut, Rolex und flotte Sprüche – so kannte man den vorbestraften Schausteller. 1991 überzeugte er den Senat mit seiner Idee für den Vergnügungspark im Plänterwald. Als sich Witte nach seiner Pleite Anfang 2002 mit Familie und sechs Karussells nach Peru absetzte, hatte er in Berlin Schulden in zweistelliger Millionenhöhe. Im Prozess sprach er von 13 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Dass bei seiner Abreise bereits Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung liefen, will er nicht gewusst haben.

In Lima wollte der Pleitier aus Berlin einen Luna-Park aufbauen. Ein Flop. „Ich wollte zurück nach Deutschland, hatte aber kein Geld“, sagte er den Richtern. Ein Peruaner bot ihm den Kokainschmuggel an. Für den Transport im „Fliegenden Teppich“ wurden Witte 700000 Dollar versprochen. Da ließ er sich mit der Drogenmafia ein und verwickelte auch seinen Sohn Marcel, 23, in den Schmuggel, dem die peruanische Polizei bald auf der Spur war. Anfang November 2003 wurden in Lima fünf Männer festgenommen, darunter Wittes Sohn. Fast zeitgleich wurde in Berlin der Vater verhaftet, der nach einem Herzinfarkt zur Behandlung in der Stadt war. Witte kam ins Haftkrankenhaus. Eine erforderliche Operation hat er bislang abgelehnt. Er wollte das Urteil abwarten. Am Ende verabschiedete sich Witte mit Handschlag von den Richtern. Und sein Anwalt sprach aus, worauf der herzkranke Mann hoffen kann: vorzeitige Entlassung.

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