Berlin : Sieben Millionen Liebhaber

Berlin war im WM-Jahr so gut besucht wie nie, und es soll noch besser werden

Jörn Hasselmann

Der Sommer der krachenden Feierlichkeiten ist längst vorbei, da jubeln die Tourismuschefs in Berlin und präsentieren die satte Bilanz des WM-Jahres 2006: Es war ein Jahr der Rekorde, schon wieder. 2006 kamen gut sieben Millionen Touristen in die Stadt, das sind fast zehn Prozent mehr als 2005. Es ist der dritte Rekord hintereinander – und es sind doppelt so viele wie vor zehn Jahren.

Was in der Statistik vor allem auffällt: Noch nie kamen so viele Ausländer nach Berlin. Das freut die Hoteliers und Taxifahrer und Kneipiers, denn Gäste aus dem Ausland bleiben länger und geben mehr Geld aus als, sagen wir, der Tagestourist aus Niedersachsen. Insgesamt 38 Prozent der Touristen kamen aus dem Ausland – vor zehn Jahren waren es lediglich 25 Prozent. Doch andere beliebte Städte wie London oder Rom sind da immer noch deutlich besser.

Das gute Ergebnis wurde – so die Einschätzung der Tourismus-Marketing-Gesellschaft BTM – wegen der Fußball-WM erzielt, aber auch trotz der Weltmeisterschaft. Zwar ist der WM-Monat Juni entgegen allen Erwartungen fast ein Fiasko für die Hoteliers geworden, doch seit dem Abpfiff des Finales am 9. Juli brummt es mehr denn je: dank der weltweit ausgestrahlten Bilder des Sommermärchens mit glücklichen Menschen vor imposanter Kulisse auf der Fanmeile im Tiergarten.

Es sind nicht ohne Grund die Fußball- Nationen, die in der Touristen-Statistik die größten Zuwächse haben: Brasilien plus 101 Prozent, sonstiges Südamerika plus 78 Prozent, Frankreich plus 21 Prozent – Argentinien, Brasilien, Frankreich, sie alle spielten in den fünf WM-Wochen im Olympiastadion.

Vergessen sind da die Querelen, dass selbst am Finaltag Betten frei blieben, und dass die Fifa Zimmer erst gebucht und kurzfristig zurückgegeben hat und so den Hotels im Juni das Geschäft vermasselt hat. Der Juni war letztlich der einzige Monat im Jahr mit einem Rückgang.

Berlin wird mindestens noch in diesem Jahr vom Fußball-Bonus zehren. „2007 wird die Ernte der WM eingefahren“, hatte BTM-Chef Nerger vor wenigen Tagen gesagt und 17 Millionen Übernachtungen für 2007 prognostiziert. Der Imagegewinn für Berlin sei riesig, hieß es. Auch der positive Effekt von den tausenden Zeitungsberichten während und kurz nach der WM sei nicht mit Geld zu bezahlen, jubeln die BTM-Werber. Ein Beispiel ist die „Times“ aus London, die titelte: „Berlin, die Gute-Laune-Metropole.“ 2006 kamen 18 Prozent mehr Engländer. 2010 sollen es in Berlin 20 Millionen Übernachtungen sein.

Und es ist nicht nur die WM, die lockte, sondern auch die Freigabe der Ladenöffnungszeiten. Im Dezember gab es satte 15 Prozent mehr Übernachtungen als im Dezember 2005. Bislang war der Monat ein eher schlechter für große Städte. Zudem werde Berlin immer mehr als Trendstadt wahrgenommen“, sagt BTM-Sprecherin Natascha Kompatzki. So kürte ein internationales Zeitgeistmagazin kürzlich Berlin als zweittrendigste Metropole weltweit – nach Los Angeles aber vor New York. Immer mehr Furore mache die Stadt auch als Modemetropole.

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