Sieben-Millionen-Projekt : Messegesellschaft will neue Eissportarena bauen

Die landeseigene Messe GmbH ist offenbar bereit, den Bau einer neuen Eissporthalle zu finanzieren – als Ersatz für die Deutschlandhalle, die 2001 provisorisch für den Eissport hergerichtet wurde.

Ulrich Zawatka-Gerlach

Die landeseigene Messe GmbH ist offenbar bereit, den Bau einer neuen Eissporthalle zu finanzieren – als Ersatz für die Deutschlandhalle, die 2001 provisorisch für den Eissport hergerichtet wurde. Die neue Halle soll in der Glockenturmstraße in Charlottenburg auf einem Parkplatz gegenüber dem Horst-Korber-Sportzentrum entstehen. Das Bezirksamt bemüht sich seit Jahren vergeblich darum, den Neubau aus Landesmitteln zu finanzieren. Jetzt könnte die Messe einspringen.

Die Wirtschafts- und Sportverwaltungen des Senats kennen das Angebot, bestätigen es offiziell aber nicht. Es fällt bescheidener aus als die Planung des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf, der eine Eissporthalle für 10,9 Millionen Euro an die Glockenturmstraße setzen wollte. Aber der Senat lehnt es ab, das Projekt in die Investitionsplanung Berlins bis 2011 aufzunehmen. Gedacht ist nun an einen Neubau – mit zwei Eisfeldern für die Grundversorgung der Jugend- und Amateurvereine – für etwa sieben Millionen Euro, der erweiterbar ist. Geeignet fürs Training und kleinere Wettkämpfe und in der Bewirtschaftung wesentlich preiswerter als die marode Deutschlandhalle. „Der Betrieb wird jährlich gute 500 000 Euro kosten“, schätzt Sport-Stadtrat Reinhard Naumann (SPD). „Uns ist es egal, woher das Geld kommt“. Jedenfalls nicht aus der Kasse des Bezirks.

Baubeginn könnte 2009 sein. Naumann schätzt die Bauzeit auf maximal zwei Jahre. Inzwischen drängen die Sportpolitiker aller Parteien zur Eile. Die Schätzung des Berliner Eissport-Verbands, dass 1800 Quadratmeter Eisfläche – vor allem für junge Nachwuchssportler – fehlen, wird nicht bezweifelt. Momentan trainieren bis zu drei Vereine gleichzeitig auf einem Eisfeld. Zwar hat sich die Messegesellschaft vor einer Woche vertraglich verpflichtet, die Deutschlandhalle noch bis 2012 für den Eissport zur Verfügung zu stellen. Aber das ist enorm teuer: 2,9 Millionen Euro Betriebskosten jährlich, davon zahlt der Senat 1,1 Millionen Euro.

Zudem ist unklar, ob das Dach der Deutschlandhalle über 2008 hinaus tragfähig ist. Sollte die Bundesanstalt für Materialprüfung zu anderen Ergebnissen kommen, muss für 1,6 Millionen Euro saniert werden. Die Geschäftsleitung der Messe GmbH hat Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) darauf hingewiesen, dass in diesem Fall der Senat zahlen muss. Der Bau einer neuen Eissporthalle wäre also nicht nur aus sportlichen, sondern auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen vertretbar und würde sich für die Messe als Finanzier schon nach wenigen Jahren rechnen.

Außerdem steht das Unternehmen moralisch in der Pflicht. Denn die frühere Eissporthalle an der Jafféstraße wurde zugunsten des neuen Südeingangs zum Messegelände 2001 abgerissen. Pressesprecher Michael Hofer will die Überlegungen für einen Neubau nicht bestätigen, aber: „Die Deutschlandhalle ist nun mal ein teurer Spaß und da wir genaue Rechner sind, gibt es natürlich Überlegungen, den Eissport dort wegzubekommen.“ Messe-Chef Raimund Hosch werde „in einiger Zeit“ die Gespräche mit Senator Wolf über das Thema fortsetzen. Vermutlich im Herbst. Bis Ende 2007 will der Senat endlich über das Schicksal des ICC und somit auch der Deutschlandhalle entscheiden.

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