Berlin : Sieben Uraufführungen in einer Saison – die Pläne der Neuköllner Oper

Frederik Hanssen

Neun Produktionen plant die Neuköllner Oper für die Saison 2004/2005, darunter sieben Uraufführungen. Das ist Spitze in der Hauptstadt. So schreibt beispielsweise die Schriftstellerin Dea Loher das Libretto für ein Musikdrama über Hannelore Kohl. Winfried Radeke komponiert die Musik zu einem Tanztheaterstück, bei dem es um Skinheads geht. Und auch die EU-Osterweiterung kommt in Neukölln auf die Bühne. Daneben wird es Verdis „Macbeth“ geben sowie Leo Falls Operette „Rose von Stambul“ von 1916, beides natürlich in modernisierten Fassungen nach Art des Hauses. Der Regisseur und Stückeschreiber Peter Lund, der nach vielen erfolgreichen Jahren in Neukölln als Professor an die Universität der Künste wechselt, bleibt seinem Haus dennoch verbunden: Er will im nächsten Jahr ein neues Musical beisteuern.

900000 Euro Zuschuss vom Senat bei 240 Vorstellungen im Jahr 2004 – damit bietet die Neuköllner Oper auf dem hauptstädtischen Musiktheatermarkt immer noch das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Berlins bekannteste Off-Oper schafft diese sensationellen Werte allerdings nur, weil hier Idealisten für Hungerlöhne arbeiten. Gerade 80 Euro kann ein Sänger oder Musiker hier pro Abend verdienen. „Meine wichtigste Aufgabe ist es, die Künstler davon zu überzeugen, dass ihnen unsere Produktionen einen Gewinn jenseits des Finanziellen bringen“, erklärte der neue Geschäftsführer, Sebastian König, am Dienstag bei der Vorstellung des Spielplans. Und Bernhard Glocksin, der neue Chefdramaturg, fügte hinzu: „Ich finde es großartig, dass in Zeiten des Turbokapitalismus so ein Paralleluniversum wie der Neuköllner Oper möglich ist.“

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