Berlin : Sieg und Absturz liegen nur einige Wahllokale auseinander

Auch innerhalb der Wahlkreise erzielten die Parteien höchst unterschiedliche Ergebnisse / Die CDU ist vor allem am Stadtrand stark, die Grünen erweisen sich als City-Partei

NAME

Selbst die Wahlkreis-Ergebnisse täuschen darüber hinweg, dass die Präferenzen für bestimmte Parteien innerhalb Berlins oft extrem kleinräumigen Mustern folgen. So holten die Christdemokraten sowohl ihr berlinweit bestes wie auch schlechtestes Ergebnis innerhalb nur eines Bezirks. Im nördlichen Teil Schönebergs gab es – auf Basis der Wahlkreise zum Abgeordnetenhaus, die sich größenmäßig zwischen den einzelnen Wahllokalen und den Bundestags-Wahlkreisen bewegen – nur 17,1 Prozent der Zweitstimmen, im äußersten Süden vom Tempelhof konnten sie dagegen 41,8 Prozent erringen.

So zeigen Karten, die das Statistische Landesamt für interne Zwecke anfertigt, ganz deutlich: Die CDU hat die überwiegende Mehrzahl der 100 Wahllokale mit den besten Zweitstimmen-Ergebnissen am Stadtrand, vor allem im Norden und in den bürgerlichen Gebieten im Südosten, aber auch in Teilen Zehlendorfs. Dagegen legen sich die 100 Wahllokale, in denen die Grünen ihre größten Erfolge feiern konnten, wie ein Ring um die Plattenbau-Siedlungen in Mitte. In Kreuzberg haben die Wahl-Statistiker zwar ein ausgeprägtes Stimmen-Splitting nach der Methode „Erststimme Ströbele, Zweitstimme SPD“ festgestellt, doch sind hier die Grünen in weiten Bereichen stärkste Partei geworden. Ein ähnliches Bild bietet der alte Bezirk Prenzlauer Berg, und die Schöneberger Insel ist schon lange nicht mehr rot, sondern grün: Auch hier konnten die Grünen oft mehr Zweitstimmen erringen als die SPD.

Bei den Sozialdemokraten hat sich dafür einiges verschoben: „Wir beobachten einen Hochburgen-Wechsel von West nach Ost“, sagt dazu der stellvertretende Landeswahlleiter Horst Schmollinger. Gerade in den Wahlkreisen, in denen die PDS das Direktmandat erringen konnte, gaben offenbar viele Wähler ihre Zweitstimme an die SPD. „Das lässt aber keine Rückschlüsse auf die Berliner Politik zu“, so Schmollinger weiter.

Die PDS hat in West-Berlin ihre Stimmenanteile nicht wesentlich erhöhen können – sie bleibt eine Regionalpartei der östlichen Stadt und fuhr ihre besten Resultate in Teilen von Mitte ein. Kurios sind die tiefroten Flecke auf der Landkarte ganz im Westen: In West-Staaken macht sich die Ost-Vergangenheit bemerkbar. Aber auch die Gegend zwischen Spree und Landwehrkanal in Kreuzberg kann zu den PDS-Hochburgen gezählt werden. Und die FDP war dort stark, wo Berlin am bürgerlichsten ist: An den Stadträndern in Nord und Süd. Jörg-Peter Rau

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben