Siegessäule : Nach dem Farbanschlag: 40-Jähriger kam in Psychiatrie

Der Fahrer des Kleinwagens, der am Mittwoch die Absperrung am Großen Stern durchbrochen hat, ist aufgrund geistiger Verwirrung in die Psychiatrie eingewiesen worden. Der Mann hatte einen Eimer Farbe an der Siegessäule ausgekippt, um auf seine Arbeitslosigkeit aufmerksam zu machen.

Der Mann, der am Mittwochnachmittag rote Farbe aus einem Popcorneimer am Großen Stern auf die Fahrbahn geschüttet hat, wurde gestern einem Amtsarzt vorgeführt. Dieser entschied, dass Andreas Sch. vorerst in einer psychiatrischen Klinik untergebracht wird. Der Mann aus dem Örtchen Hemsbach nahe Heidelberg soll verwirrt sein.

Andreas Sch. hatte, wie berichtet, am Mittwoch gegen 16 Uhr mit seinem Daihatsu-Kleinwagen die Absperrungen am Großen Stern durchbrochen und war anschließend mit quietschen Reifen rund um die Siegessäule gefahren. Dort wurde gerade die Bühne für den Redeauftritt von Barack Obama aufgebaut. Durch die Autoreifen verteilte sich die rosarote Farbe auf dem Asphalt zu wirren Spiralen. Diese ähnelten den Mustern, die der 40-Jährige auf die Motorhaube seines Autos gepinselt hatte. Das gleiche Muster in Schwarz trug er auch auf seinem weißen Hemd. Während er lachend seine Kreise fuhr, warf er den Pressefotografen, die bereits zahlreich wegen des Bühnenaufbaus vor Ort waren, Kusshände zu.

Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens versuchten das Auto zu stoppen, indem sie mit langen Eisenstangen darauf einschlugen. Andreas Sch. duckte sich hinters Lenkrad und würgte den Motor ab. Die Wachschützer zerrten ihn aus dem Auto und übergaben ihn Berliner Polizisten. Ein Entschärfer vom Landeskriminalamt untersuchte das Auto noch sicherheitshalber in einem gepanzerten Anzug, fand jedoch nichts Gefährliches. Mit einstündiger Verzögerung ging der Bühnenaufbau anschließend weiter.

Das Verhör beim polizeilichen Staatsschutz – der für politische Delikte zuständig ist – ergab offensichtlich nicht viel. Ein politisches Motiv liege nicht vor, hieß es. Andreas Sch. soll mit seinem Auto vor der Tat aus Hemsbach nach Berlin gekommen sein. Nach Polizeiangaben wollte er mit der Aktion auf seine Arbeitslosigkeit aufmerksam machen. Noch am Mittwochabend wurde Sch. einer Polizeiärztin vorgestellt, die entschied, dass er die Nacht in einer Zelle verbrachte. Polizeilich war der 40-Jährige zuvor weder in Berlin noch in Heidelberg aufgefallen.

Zu Schaden kam bei dem Vorfall niemand. Bei einer ähnlichen Aktion vor zwei Jahren war das anders. Damals verletzte ein verwirrter Mann mit seinem Auto auf der Fanmeile der FußballWM 26 Menschen. Ha

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