Berlin : Siegfried, Luther und der Terminator

Im „Kosmos“ saßen bei der Premiere eines frommen Films Stars und Botschafter in den Kinosesseln

Elisabeth Binder

Es war viel vom „katholischen Ausland“ die Rede bei der Premiere des Luther-Films. Der Chef der Senatskanzlei, André Schmitz, scholt in Vertretung des Regierenden Bürgermeisters den Verleih in diesem Sinne für eine Preview im tiefschwarzen München. Tom Strauss, der im Film den Markgrafen Georg von Brandenburg spielt, glaubt, dass „Luther“ vor allem junge Leute faszinieren wird. Und Produzent Kurt Rittig sagte, es sei höchste Zeit, sich mit deutschen Themen zu befassen: „Hätten die Amerikaner die Nibelungen, wäre der Gouverneur von Kalifornien als Siegfried in die Geschichte eingegangen und nicht als Terminator.“ Erstaunlich viele Mitwirkende schauten sich den Film noch einmal an, darunter Matthieu Carrière, Jonathan Firth, Uwe Ochsenknecht und Sir Peter Ustinov. Letzterer berichtete von den Mühen, Sächsisch zu lernen. Geübt habe er, als er in Dresden eine Oper inszenierte und von seinem Team lernte, einen italienischen Mitarbeiter namens Mario immer Mariööö zu rufen. Sein Friedrich der Weise hat im Film ebenfalls einen bezaubernden Akzent, etwas angelsächsisch, aber das passt ja.

Der amerikanische Botschafter Dan Coats jedenfalls ist danach begeistert. Dass er einen völlig ausgebuchten Terminkalender hat, ist sowieso klar, trotzdem hat er sich den Film schon zum zweiten Mal innerhalb einer Woche angesehen und beim zweiten Mal in einer Sprache, die ihm nicht unbedingt fließend geläufig ist. „Aber sie ist dem Film angemessen“, sagt er und Ehefrau Marsha Ann ergänzt: „Es ist wirklich schön, zur Abwechslung mal einen guten Film zu sehen.“ Dan Coats fügt beim Rausgehen noch hinzu, „dass die Botschaft so kraftvoll ist wie vor 500 Jahren“. Wirklich? Um das herauszufinden, muss wohl doch ein kleiner Test sein. Der sachsen-anhaltinische Ministerpräsident Wolfgang Böhmer ist dafür ein gutes Opfer. Er steht beim Empfang im Kronprinzenpalais umringt von anderen prominenten Gästen. Und er hat in seiner Rede vor dem Film ganz stolz gesagt, dass er seit 30 Jahren in Wittenberg wohnt.

Die Frage kann man natürlich nur mit dem Hinweis stellen, dass man in einem katholischen Milieu groß geworden sei, wo ja noch vor wenigen Jahrzehnten in manchen, etwas schlichter gestrickten Kreisen Protestanten als relativ sichere Anwärter fürs Höllenfeuer galten: Gibt es eigentlich die Original-Schauplätze alle noch? Wolfgang Böhmer lächelt nachsichtig. „Katholiken können so was natürlich nicht wissen“, sagt er. „Aber kommen Sie doch mal vorbei. Ich führe Sie persönlich herum.“

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