Berlin : Siemens-Mann von Brandenstein

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Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt hat er von seinem Schreibtisch aus direkt vor Augen. Berliner gebaute Geschichte. Und eigentlich gehören sein Unternehmen und Gerd von Brandenstein, seit 32 Jahren im Dienste von Siemens, auch dazu. Werner von Siemens ist nicht nur mit seinem Kopf im Entree präsent, sondern auch als „Geist“. Vor 157 Jahren gründete er hier in Berlin das, was heute ein Weltunternehmen ist. „Ein Weltgeschäft a la Fugger“, das war sein Traum.

Und der wurde wahr. 30000 Mitarbeiter zählt die Firma jetzt alleine in China. Der deutsche Markt ist gut für einen Umsatz von 17 Milliarden Euro. Berlin ist noch immer der größte Fertigungsstandort in Deutschland mit gut 14000 Beschäftigten. Weitere 10000 Menschen in der Region, schätzt der Konzern, leben indirekt von Siemens. Jedes Geschäftsjahr investiert Siemens 300 Millionen Euro in der Region. Auch in Architektur, wie das historische MagnusHaus am Kupfergraben, das künftig als Firmenrepräsentanz genutzt werden könnte. Ein Wunsch von Brandensteins hat sich bereits erfüllt: Der Deutschland-Vertrieb kommt nach Berlin. Das werden zunächst 60 Mitarbeiter, aber „mit einer nach oben offenen Richterskala“.

So wie der Großvater Brandenstein bei der Infanterie in Potsdam „stand“, so „stand“ der Volkswirt fast sein ganzes Berufsleben „im Dienste von Siemens“. In Erlangen, Ecuador und Venezuela. Neun mal musste sich sein jüngster Sohn (von drei Kindern) mit der übrigen Familie an eine neue Umgebung gewöhnen. Bis sie vor zehn Jahren in Bonn „vor Anker gingen“ und von Brandenstein Siemens am Regierungssitz repräsentierte. 1999 kam dann der Umzug nach Berlin – zurück an den Geburtsort.

„Natürlich wäre ich auch gern Vorstand geworden“, gesteht der ritterlich wirkende, sportliche, hoch gewachsene Herr, aber das hat sich nicht ergeben. Damit hadert er nicht. Eher mit seiner Jugend. Seine Eltern hatten sich früh getrennt, aufgewachsen ist er deshalb bei einer Tante in Büdingen in Oberhessen. Wohl deshalb ist ihm eine „heile Familie“ so wichtig. Hier in Berlin wollen sie auch bleiben, wenn in drei Jahren, mit 65, die „Altersguillotine“ fällt. Das große Netzwerk persönlicher Bekannter, das er als Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin und Brandenburg, als Rotarier, oder als Golfer im Seddiner Club oder als Mitglied der Initiative „An Morgen Denken“ gesponnen hat, überlebt ja diese Altersgrenze.

Heik Afheldt war Herausgeber von „Handelsblatt“, „Wirtschaftswoche“ und dem Tagesspiegel.

Gerd von

Brandenstein (62), Diplom-Volkswirt,

Leiter des Büros der Siemens AG in Berlin

und Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin- Brandenburg

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