Berlin : Siemens-Schloss: Marzahner Stiftung könnte das Gebäude in Biesdorf übernehmen

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Die Rettung des denkmalgeschützten Schlosses Biesdorf scheint in Sicht: Eine noch zu gründende Stiftung "Ost-West-Forum Berlin" könnte das Haus an der Bundesstraße B 1 / 5 übernehmen und sanieren. Initiatorin ist die Schindler-Unternehmensgruppe, die in Marzahn vier Seniorenheime betreibt. Ihr Chef leitet außerdem die Marzahner Augenklinik. Das Bezirksamt steht den Vorschlägen positiv gegenüber. Gemeinsam will man jetzt die Stiftung ins Leben rufen, heißt es im Rathaus.

Der Ausschuss für Stadtplanung befasst sich in einer seiner nächsten Sitzungen mit dem Thema. Die Vorsitzende Karin Portner (CDU) hält die Idee für unterstützenswert. "Ich bin davon überzeugt, dass der Schindler-Vorschlag funktioniert und sich genug ortsansässige Firmen finden, die in Eigenleistung bei der Sanierung mithelfen."

Die Unternehmensgruppe schlägt nach Auskunft des Bezirksamtes vor, im Schloss künftig unter anderem Kongresse und Kolloquien zu veranstalten. Zudem wolle man Beziehungen zu Osteuropa knüpfen. Das Areal könnte auch weiterhin kulturell genutzt werden. Für den Bezirk steht fest, dass das Schloss nach seiner Schönheitskur zumindest teilweise öffentlich zugänglich sein müsse. Auch der Park, der in den vergangenen Jahren erneuert wurde, soll weiterhin jedem Besucher offenstehen. Eine "ergänzende Bebauung", wie es in einer Willenserklärung des Bezirksamtes heißt, wäre möglich.

Wie berichtet, waren alle anderen Bemühungen Marzahns, einen Investor für das 132 Jahre alte Schloss zu finden, bislang gescheitert. Auch das sogenannte Interessenbekundungsverfahren vor zwei Jahren blieb ergebnislos. Grund war fast ausschließlich der auf 30 Millionen Mark geschätzte Sanierungsaufwand.

Das Biesdorfer Schloss hat eine wechselvolle Geschichte. Es wurde 1868 nach Plänen des Baumeisters Heino Schmieden im Stil einer spätklassizistischen Turmvilla errichtet. Gleichzeitig entstand ein vier Hektar großer Park. 19 Jahre später kaufte Werner von Siemens das Gelände. Unter Leitung seines Sohnes Wilhelm fanden auf den Alleen des Schlossparks Probefahrten für die erste deutsche Eisenbahn statt. Seit 1927 gehört das Anwesen der Stadt Berlin. Der Zweite Weltkrieg hinterließ schwere Schäden am Gebäude, und die Reste des zerstörten zweiten Obergeschosses mussten abgetragen werden. Das Ende der 40er Jahre provisorisch gebaute Dach steht noch heute. Der Turm wurde allerdings Anfang der 90er Jahre saniert. Seit 1994 wird auf dem Gelände durch den Verein für Betreuung arbeitsloser Leute und Lebenshilfe (BALL e. V.) einiges auf die Beine gestellt. Lesungen, Ausstellungen, Kurse und Gesprächsrunden finden statt.

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