Berlin : Silberhochzeit

Pariser Platz, Pariser Straße, Paris Bar: Berlin feiert 25 Jahre Städtepartnerschaft.

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Der gefühlte Mittelpunkt der Stadt? Man wird hier wohl den Pariser Platz nennen dürfen. Kein Tourist kann ihn aussparen, und Staatsgäste dürfen eigentlich auch nicht wieder weg, bevor sie nicht den freien Blick aufs Brandenburger Tor genossen haben. Gäbe es den Platz nicht, man müsste ihn schleunigst erfinden, schließlich feiern Berlin und Paris in diesem Jahr das 25. Jubiläum ihrer Städtepartnerschaft. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit war am Montag eigens in die französische Hauptstadt geflogen, um mit Amtskollege Bertrand Delanoë das Veranstaltungsprogramm vorzustellen. Dazu gehören der Austausch von Auszubildenden und Beamten ebenso wie ein Plakatwettbewerb für Grafikstudenten, ein Hiphop-Workshop oder Gastspiele von Theatern und Orchestern aus Berlin und Paris in der Partnerstadt.

Paris war nach Los Angeles die zweite Partnerstadt Berlins. Der Vertrag wurde am 2. Juli 1987 abgeschlossen, anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt. Partner war zunächst nur West-Berlin, für den Pariser Platz galt die Partnerschaft nicht. Und die Geschichte seiner Namensgebung stand ohnehin nicht unter dem Gedanken einer Partnerschaft – im Gegenteil. Der Platz heißt seit dem 15. September 1814 so und sollte an den Sieg Preußens und seiner Verbündeten in den Befreiungskriegen erinnern und besonders an den Einzug ihrer Truppen in die französische Hauptstadt am 30. März 1814. Keine freundschaftlich-respektvolle, sondern eine feindlich-triumphierende Platztaufe also, eine Rache wohl auch für den Raub der Quadriga, die Napoleon nach Paris entführt hatte. Ähnliche Motive dürften bei der Benennung der beiden Pariser Straßen in Wilmersdorf 1895 und Hellersdorf 1906 eine Rolle gespielt haben.

Nun, das ist erledigt. Kein Mensch redet noch wie zu Kaisers Zeiten vom „Erzfeind“ Frankreich, man assoziiert stattdessen Lebenslust, Kultiviertheit, Genuss – und, nun ja, die Liebe. Und Berlin wäre auch kaum Berlin, wenn nicht Frankreich mit seiner Hauptstadt das hiesige Leben wieder und wieder befruchtet hätte, in dieser oder jener Form. Das reicht von sprachlichen, von den Hugenotten geerbten Anleihen, die über die „Bulette“ weit hinausgehen, bis zu der sich auf Frankreichs Hauptstadt ausdrücklich berufenden Paris Bar. Mancher Film, der erst am Champs-Élysées Erfolg hatte, kam dann am Kurfürstendamm, im Maison de France, groß raus. Nach Napoleon wurde sogar jahrzehntelang ein von der französischen Armee genutztes Quartier benannt, niemand dachte da noch an den Quadriga-Dieb. Und im Berliner Olympiastadion war es, auch dies sei nicht verschwiegen, dass Zinédine Zidane mit einem Kopfstoß seine Fußballerkarriere beendete. Andreas Conrad

Das Jubiläumsprogramm unter www.paris-berlin25.com/de

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