Silvester : Botschafter gegen Böller

Die Berliner Feuerwehr setzt zu Silvester Arbeitslose ein. Migranten sollen auf Jugendliche in Neukölln einwirken. Im Februar 2008 startet das neue Einsatzkonzept der Retter.

Tanja Buntrock

Abgerissene Finger, verbrannte Hände und Hörstürze – jährlich vor Silvester warnt die Feuerwehr mit ihrer „Finger weg“-Kampagne vor der Gefahr von Böllern. Nun geht sie einen neuen Weg: 20 Arbeitslose türkischer und arabischer Herkunft werden in diesem Jahr zwischen den Feiertagen durch die Straßen in Neukölln und Kreuzberg ziehen, um vor allem ihre jugendlichen Landsleute mit Broschüren auf den richtigen Umgang mit Böllern hinzuweisen.

Doch die Silvester-Kampagne ist nur der Anfang dessen, was sich künftig bei der Feuerwehr ändert. Ab Februar 2008 startet die Behörde ihr lang vorbereitetes neues Einsatzkonzept. Dazu gehören – wie berichtet – unter anderem kürzere Schichten für die Brandbekämpfer, die Aufstockung der Notarzteinsatzfahrzeuge von 16 auf 19 sowie drei neue Feuerwachen in den Außenbezirken Rahnsdorf, Blankenfelde und Bohnsdorf. Mit dem neuen Konzept will die Feuerwehr „noch effektiver helfen“, wie Feuerwehrchef Wilfried Gräfling sagt. Denn bislang seien einige Außenbereiche der Stadt „nicht optimal abgedeckt“ gewesen.

Zudem musste die Berliner Behörde die neue EU-Arbeitszeitrichtlinie umsetzen: Die Feuerwehrleute arbeiten nun 48 Stunden pro Woche in 12-Stunden-Schichten statt wie bisher 55 Stunden pro Woche im 24-Stunden-Rhythmus. Dadurch benötigt die Behörde dringend Personal und hat 75 Stellen ausgeschrieben. Allein dafür müssten 2,7 Millionen Euro zusätzlich eingeplant werden. Auch Migranten werden gesucht. Ihr Anteil von den 3500 Beschäftigten der Berufsfeuerwehr sei bislang „verschwindend gering“.

Bei ihrer neuen Silvester-Kampagne greift die Feuerwehr schon einmal auf die Hilfe der Zuwanderer zurück. „Die jugendlichen Migranten in den Problembezirken bereiten uns Silvester die meisten Probleme“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Die muslimischen Helfer werden vom Jobcenter vermittelt. Man erhoffe sich von ihnen „einen besseren Zugang zu den Jugendlichen“. Vor Ferienbeginn gehen sie in Schulen, um Broschüren zu verteilen. Zwischen den Feiertagen stehen sie unter anderem am Kottbusser Tor, dem Hermannplatz oder vor dem Rathaus Neukölln, „um die jungen Leute anzusprechen und positiv zu beeinflussen“, hieß es. Vorab werden die Helfer einen Tag lang von der Feuerwehr geschult.

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