Berlin : Silvester in Berlin: Die Feuerwehr übt noch

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"Morgen dürfte Silvester nicht sein." Die Vorbereitungen der Feuerwehr auf das Ereignis sind noch nicht abgeschlossen. "Wir brauchen die sechs Wochen", sagt Feuerwehrchef Albrecht Broemme. Das neue Leitsystem hakt noch - ein klein wenig nur, aber es gibt Probleme. Vor allem muss das System noch eine Belastungsprobe überstehen, bei der Anfang Dezember das Einsatzaufkommen während des Jahreswechsels simuliert werden soll. Zu Silvester 1999/2000 war das Datenverarbeitungssystem zusammengebrochen, was zur Folge hatte, dass zahlreiche Unglücksorte gar nicht, deutlich verspätet oder sogar doppelt von der Feuerwehr angefahren wurden. Damals lag das Problem an einer veralteten Netzwerkkarte, die sich mit anderen Komponenten nicht vertrug.

Wer einen Computer zu Hause hat, weiß, dass sich das elektronische Gebilde nicht immer an das hält, was ihm der Nutzer vorgibt. Selten ist für den Nutzer nachvollziehbar, warum der PC auf Tastaturbefehle nicht reagiert, sich aufhängt oder einfach einen blauen Bildschirm mit den rätselhaften Worten "Das System ist ausgelastet ..." zeigt. Auch im neuen Einsatzleitsystem der Feuerwehr namens "Ignis" haben sich erste Fehler gezeigt. So gibt es bisher nicht erklärbare Probleme bei der Kommunikation zwischen dem Betriebssystem und einer Datenbank, in der sämtliche Straßennamen Berlins mitsamt Hausnummern verzeichnet sind. Deswegen musste bisher schon dreimal das gesamte System gestoppt werden. Laut Broemme wurde eine "Überwachungssoftware" installiert, ein zusätzliches Programm, das frühzeitig den Fehler erkennt und "regulierend und korrigierend" eingreift. Seither laufe es reibungslos.

Zu jedem der über 40 Arbeitsplätze in der Notrufzentrale in dem hallenähnlichen Saal am Nikolaus-Groß-Weg in Siemensstadt gehören zwei Bildschirme: Einer mit dem Stadtplan und ein zweiter mit einer Eingabemaske. Bei Notrufen werden hier die Straßennamen eingegeben, die dann auf dem zweiten Monitor auf dem Stadtplan angezeigt werden. Dem Stadtplan liegen die Karten der Bauverwaltung zugrunde, die auch die Hausnummern sowie besondere Gebäude wie Schulen, Krankenhäuser, Botschaften, Konsulate oder Theater anzeigen. Allerdings sind diese Karten teilweise bis zu zehn Jahre alt und haben besonders für den Ostteil der Stadt mit der Entwicklung der vergangenen Jahre nicht Schritt gehalten. Für Silvester wird dies aber nicht als ein Problem angesehen, das Gefahren birgt.

Die Feuerwehr fürchtet sich während des Jahreswechsels vor allem vor der Stunde zwischen 0.30 und 1.30 Uhr, die erfahrungsgemäß "die kritische Zeit" darstellt. "Wir rechnen in dieser Stunde mit bis zu 2100 Notrufen", sagte Broemme. Aber nur einer von fünf Anrufen führe tatsächlich zu einem Einsatz. Viele Anrufer wollten auch "ein gesundes Neues Jahr lallen". Zum letzten Jahreswechsel "waren die Berliner von der Feuerwehr enttäuscht", sagt Broemme. Eine solche Panne dürfe nicht mehr geschehen. Daher richtet sich die Feuerwehr schon jetzt darauf ein, notfalls alle Einsätze, die sonst automatisch vom Computer abgearbeitet werden, von Hand erledigen zu können. 20 Drucker wurden beschafft, um die Einsatzbefehle drucken zu können, 70 bis 80 Mitarbeiter werden Silvester in der Notrufzentrale ihren Dienst versehen. Mitarbeiter des Computerlieferanten Bull und des Telefonherstellers Frequentis stehen bereit, falls die Technik wieder ihren Geist aufgeben sollte.

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