Silvester in Berlin : Die Party kann beginnen

Die Hotels sind voll, vor den Kassen der Museen stehen Touristen Schlange. Und am Brandenburger Tor spielen sich die Bands für die große Sause ein.

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Bauch rein. Sänger Alec „Boss Burns“ Völkel will mit der Band „Boss Hoss“ am Brandenburger Tor auftreten, ihr Hit „Don’t Gimme That“ ist gerade überall zu hören.
Bauch rein. Sänger Alec „Boss Burns“ Völkel will mit der Band „Boss Hoss“ am Brandenburger Tor auftreten, ihr Hit „Don’t Gimme...Foto: dapd

Zu den glücklichsten Menschen, die den Rutsch ins neue Jahr in Berlin erleben wollen, gehören diese Dänen: „Wir sind eine Gruppe von 22 Leuten, und unsere Freunde Jorgen und Agnete aus Kopenhagen, die beide 60 werden, haben uns alle nach Berlin zum Silvesterfeiern eingeladen“, erzählen zwei Frauen mit Fotoapparat am Brandenburger Tor. Hotel, Abendessen, alles ist bezahlt. Und der Jahreswechsel wird gefeiert in einem schicken Restaurant in Prenzlauer Berg, gezahlt von dem Berlin-Liebhaber-Paar, das hier auch ein Appartement besitzt. So kann das alte Jahr enden und das neue beginnen. Zumal am Freitag über allem auch noch ein blauer Himmel strahlt.

Das wird aber leider nicht so bleiben. Laut Wetterdienst ZAMG sollen am Silvesterabend Wolken über der Stadt hängen, Nieselregen ist angesagt. Und das bei zwei Grad, richtig ungemütlich. Den unzähligen Touristen, die in der deutschen Hauptstadt feiern, macht das nicht wirklich etwas aus. Die Stadt ist voll, die Hotels konnten sogar die Preise erhöhen. Wie das große Internet-Hotelportal HRS in Köln errechnet hat, bezahlt man für die Übernachtung in einem Berliner Hotel zu Silvester im Durchschnitt knapp 127 Euro – rund 46 Prozent mehr als im Jahresmittel. Somit floriert das Hotelgewerbe, und es profitieren Souvenirshops, Sightseeing-Busbetriebe, Stadtführer, Bars und Restaurants. „Das wird eines der besten Silvester seit dem Jahr 2000“, sagt Burkhard Kieker von „Visit Berlin“. Es seien Häuser vom Hostel bis zum Fünf-Sterne-Hotel bestens gebucht. Die Tourismuswerber freuen sich zudem darüber, dass die amerikanische Kunstzeitschrift „Smithsonian Magazine“ die deutsche Hauptstadt jetzt zu den „43 Places to See Before You Die“ zählt. Also Destinationen, die man wenigstens einmal im Leben besucht haben sollte, wie die Pyramiden von Gizeh, den Grand Canyon, das Taj Mahal und die Antarktis. Berlin sei als Brennpunkt bewegter Geschichte, Zentrum kultureller Vielfalt, als Party-Hotspot und als Ort, der sich immer wieder neu erfinde, unbedingt einen Trip wert.

Auch wenn man zum Jahreswechsel 2011/2012 vor dem Rausgehen schon mal den Schirm zücken, die Gummistiefel und den Friesennerz überstreifen muss. Bianca Leone hat eine skandinavische Strickmütze auf dem Kopf. Die 15-Jährige aus Neapel steht in der Warteschlange am Ticketverkauf fürs Pergamonmuseum. „Klar gibt es bei uns auch viel Kultur“, sagt die Italienerin, „aber jetzt feiere ich mit meinen Eltern Silvester in Berlin,und da will ich die Nofretete und den Pergamonaltar sehen.“ Wie hier an der Museumsinsel haben sich vor vielen Ticketschaltern der Stadt Schlangen gebildet. Viele wollen wie Bianca Leone die Nacht zum 1. Januar am Brandenburger Tor feiern. „Kamera sechs, kannst du dich bitte umdrehen und eine Totale anbieten?“, klingt es dort aus den Lautsprechern. Am Freitag läuft die Generalprobe für die Silvestersause mit einer Million erwarteten Besuchern auf der Festmeile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule. Am Freitag probten Johnny Logan, Andreas Bourani, Udo Jürgens, Kim Wilde, Glasperlenspiel, die Scorpions. Am Sonnabend treten ab 15 Uhr Marianne Rosenberg, DJ Bobo, The Boss Hoss und Culture Beat zum Soundcheck an. Um 17.15 Uhr stimmen sich Frida Gold, um 18 Uhr Hot Chocolate, um 18.20 Uhr dann DJ Ötzi und um 18.50 Cassandra Steen ein – und die Fans können dabei sein.

„Wir nutzen aus, dass es noch so schön leer ist auf der Festmeile – und gucken uns die Silvestershow dann im Fernsehen an“, sagt Carmen Karsunke. Nach einem Glühwein und einem Schneemannpunsch für die Kinder geht es nach Sachsen-Anhalt in die Lutherstadt Wittenberg.

Derweil zeigt sich selbst die Polizei in beschwingter Jahresausklangsstimmung. Zwischen all den Touristen am Pariser Platz kurvt ein historischer Bus mit Häkelgardinen herum. Der gehört der alternativen Gemeinschaft der „Twelve Tribes“ aus Donau-Ries in Bayern. „Wir wollen Folklore tanzen“, sagt der Fahrer. „Parken Sie da hinter den anderen Bussen ein“, sagt der Polizist in Mitte. Ein paar Kilometer Luftlinie entfernt in Kreuzberg ziehen sich die letzten Einkommensteuererklärer des Jahres ihre Wartenummern im Finanzamt. Sie kommen sofort dran. Es könnte öfter im Jahr Silvester sein.

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