Silvester in Berlin : Lichtkünstler inszeniert Show am Brandenburger Tor

Lichtkünstler Gert Hof, der unter anderem die Live-Auftritte der Band Rammstein inszenierte, ist für die musikalische und optische Gestaltung der Silvestershow am Brandenburger Tor verantwortlich - für ihn selbst nur "ein mittlerer Event"...

Trotz aller Hektik kurz vor der Show versinkt Gert Hof im Ledersessel seines Berliner Büros, zündet sich eine Zigarette an und beginnt über „sein Gesamtkunstwerk“ zu sprechen. Der bekannte Lichtkünstler ist der Regisseur der Silvestershow am Brandenburger Tor in Berlin, einer der weltweit größten organisierten Feiern zum Jahreswechsel. Erwartet werden bis zu eine Million Besucher.

Kurz vor dem großen Ereignis kam der 59-Jährige trotz fünf Monaten Vorbereitungszeit kaum noch zum Schlafen. Denn ein elementarer Teil seiner Inszenierung musste bis wenige Stunden vor der Aufführung grundlegend überdacht werden: Ausgerechnet Sängerin Bonnie Tyler sagte kurzfristig ihr für Punkt 0.00 Uhr geplantes Duett mit dem Tenor Paul Potts wegen Krankheit ab - und der US-amerikanische Sänger David Hasselhoff wurde kurzfristig engagiert.

450 Seiten Konzept für 13 Minuten Show

Für eine halbe Stunde kann sich Hof nun von seinem Computer lösen, um von seiner Arbeit zu erzählen, während die ersten Gäste längst ihre Bratwurst auf der Festmeile essen. In seinem Notebook stecken die einprogrammierten Befehle seiner Komposition aus Licht, Musik und Pyrotechnik für die 13-minütige Inszenierung um Mitternacht. Rund 450 Seiten auf Papier umfasst allein das Konzept für den Höhepunkt des Abends, berichtet Hof. Dies alles wurde von einem Programmierer in technische Befehle umgesetzt - oder eben von Regisseur Hof selbst, wenn es ganz schnell gehen muss.

Wer kurz vor der Show nach Nervosität in Hofs großzügigem Büro in einem ehemaligen Fabrikgebäudes sucht, der muss sich in der Tür geirrt haben. „Fehler können nicht passieren - dazu bin ich zu sehr Profi“, sagt Hof, verzieht keine Miene und zündet sich die nächste Zigarette an. Die Feier am Brandenburger Tor sei für ihn nach mehr als 50 Großveranstaltungen unter freiem Himmel sowieso nur „ein mittlerer Event“.

Nach vielen klassischen Theaterinszenierung begann Hof ab 1994 die aufwendigen Bühnenshows der Rockband Rammstein zu inszenieren. Immer versuche er dabei, ein Gesamtkunstwerk aus Licht, Ton und Feuerwerk zu schaffen, sagt er. Mit diesem Gedanken gestaltete er auch ein Lichtspektakel in Jerusalem, das Thronjubiläum des Sultans von Oman und bereits im Jahr 2000 ein Event in China mit 5.000 Menschen auf einer riesigen Bühne.
Hof will Berliner Feier künftig noch spektakulärer gestalten

Für das dagegen kleine Projekt in Berlin verlangt Hof nach eigenen Angaben keine Gage. Eine Stadt wie Berlin habe es einfach verdient, New York, Paris und Sydney mit seiner Show zum Jahreswechsel zu toppen, sagt er. Für dieses Mal sei das Ziel noch zu hoch gesteckt. „Aber 2013 können wir weltweit mithalten“, ist sich der gebürtige Leipziger sicher. Nach seiner Inszenierung an der Siegessäule zur Jahrtausendwende vor zehn Jahren arbeitete er erstmals wieder für die Silvesterfeier in Berlin. Doch nach eigenen Angaben plant er, weiter am Konzept zu feilen und die Show in den kommenden Jahren „Schritt für Schritt“ weiterzuentwickeln. Schon für die nächste Festmeile will der Regisseur eine Bühne entwerfen, die einen freien Blick auf das Brandenburger Tor zulässt. „Denn so ein großartiges Kulturdenkmal kann man eigentlich nicht zubauen, so wie es bisher gemacht wird“.

All seine Shows entstünden komplett im Kopf, erläutert Hof. Erst später würden sie zu Partituren verarbeitet, in denen jeder einzelnen Musiknote exakte Befehle für die Spezialscheinwerfer und das Feuerwerk zugeordnet sind. „Wenn ich damit Menschen zum Staunen bringen kann, bin ich glücklich“, sagt Hof und setzt sich zurück an seinen Computer. (dapd)

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