Silvester in Berlin : Lieber Philharmoniker und Seeed als Hasselhoff

Statt David Hasselhoff wollen die Berliner lieber Seeed oder die Berliner Philharmoniker bei der nächsten Silvesterparty am Brandenburger Tor sehen. Das ergab unsere Online-Umfrage. Bei den Verantwortlichen stößt das auf offene Ohren.

Silvester am Brandenburger Tor.
Silvester am Brandenburger Tor.Foto: dapd

Über 3500 Berliner haben in den vergangenen Tagen auf Tagesspiegel.de abgestimmt, das Ergebnis sieht vor allem zwei Favoriten: 29 Prozent der Berliner wünschen sich die Berliner Philharmoniker umsonst und draußen in der Silvesternacht 2011 am Brandenburger Tor, 21 Prozent Peter Fox. Zählt man den mit der dritthäufigsten Nennung „Seeed“ zusammen (12 Prozent, ebenso viele wie Rammstein), kommt Seeed-Mitglied Fox sogar auf 33 Prozent, die den Berliner als lokal verwurzelten Top-Act statt üblicher internationaler Verdächtiger wie David Hasselhoff oder Paul Potts bei der „Silvester in Berlin“-Gala sehen wollen.

Bei den Verantwortlichen stoßen die Anregungen auf offene Ohren: „Abgesehen von Rammstein, die vielleicht etwas zu hart für den Rahmen sind, ist das alles absolut denkbar“, sagt Veranstalter Willy Kausch zu den Top-Platzierungen des Votings. „Daher werden wir das auf jeden Fall in die Planungen fürs nächste Jahr einbeziehen.“ Diese begännen jedoch erst Ende Januar mit einer Auswertung der 2010er-Gala, dann entscheide sich auch, ob die Medienpartnerschaft mit dem ZDF fortgesetzt werde – nach dem Quotenerfolg von durchschnittlich 17 Prozent Marktanteil sei das jedoch alles andere als unwahrscheinlich. Die Programmplanung stehe dann jedoch deutlich später auf dem Programm: „Die Künstler werden immer erst Ende Oktober angefragt“, so Kausch. „Man kann oft jetzt noch nicht sagen, wer dann gerade aktuell sein wird.“

Dass die Berliner Philharmoniker zum einen oder anderen Zeitpunkt an Aktualität verlieren, steht indes, das gesteht auch Kausch zu, nicht zu befürchten. Das Problem sei hier vielmehr ein anderes: „Es ist schwierig wegen der Witterung.“ „Die Philharmoniker werden sich nicht bei minus 10 Grad und Niederschlag ans Brandenburger Tor setzen“, vermutet auch Anja Marx von der „Silvester in Berlin“-Pressestelle. Auch sonst hänge das Booking der Künstler oft am seidenen Faden: „Da spielen viele Faktoren hinein: Es ist eine Preisfrage, eine Frage der Vorstellungen des kooperierenden Fernsehsenders, außerdem müssen die Künstler auch selbst Silvester arbeiten wollen.“ Häufig widerspreche auch das Managment einem großen „Umsonst und draußen“-Auftritt – etwa dann, wenn die entsprechenden Acts in unmittelbarer zeitlicher Nähe kommerzielle Konzerte in Berlin geplant hätten. „Die wollen sich nicht selbst Konkurrenz machen.“

Bei den Lieblinskünstlern der Berliner ist die Stimmung bisher noch etwas verhalten: „Für die Künstler und uns fand die Live Saison in Berlin traditionell im Sommer mit Shows in der Wuhlheide statt. Ob sich dies in der Zukunft ändern wird, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen“, so Julia Seip von Brunetti Managment, der Künstler-Agentur von Seeed und Peter Fox. Der Nachsatz scheint die Befürchtungen der Veranstalter zu bestätigen: „Für das Jahr 2011 wird sich Seeed vorerst voll und ganz auf die Produktion des neuen Albums sowie einige wenige ausgewählte Sommerfestival-Shows in der Schweiz, Österreich und Deutschland konzentrieren.“ Ein Auftritt am Brandenburger stehe bisher noch nicht zur Diskussion.

In der Pressestelle der Philharmoniker zeigt man sich hocherfreut über den Gewinn des Votings – ab- oder zusagen möchte man hier, in urlaubsbedingter Abwesenheit des Intendanten, fürs nächste Jahr jedoch ebenfalls nichts: „Sicherlich wird es schwierig, den gesamten Klangkörper um Mitternacht zum Brandenburger Tor zu bekommen“, so Sprecherin Marieluise Schneider. Eine Präsenz der Philharmoniker anstelle oder ergänzend zu der in diesem Jahr vertretenen Pop-Klassik à la Paul Potts möchte sie aber „überhaupt nicht ausschließen“: „Da gibt es diverse Modi, über die man nachdenken kann, etwa ein großes Screening oder die Abordnung einiger Orchesterteile, etwa der 12 Cellisten – die sind zusammen eine richtige Rockband.“

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