Silvester : Voll den Knall

Explodierende Briefkästen, Raketen aus Pistolen: Die Polizei will Silvesterschusswechsel verhindern. Auch "Polenböller" stellen wieder ein Problem dar.

Johannes Radke

Ein Schuss, gefolgt von einem grellen Blitz und einem ohrenbetäubenden Knall. Viele Berliner kennen die Gruppen von Jugendlichen, die an Silvester mit Pistolen in alle Richtungen ihre Knaller verschießen. Wenn es nach der Polizei geht, soll es dieses Jahr deutlich weniger Szenen dieser Art geben. In den vergangenen Jahren lag der Schwerpunkt für die Beamten darin, Geschäfte auf die korrekte Lagerung von Feuerwerkskörpern zu kontrollieren. Jetzt haben sie es auf die gefährlichen „Vogelschreckpatronen“ abgesehen. „Dieses Jahr hat sich die Sachlage geändert“, sagt Polizeisprecher Burkhardt Opitz. „Weder die Verwendung noch Besitz dieser Munition ist ohne Erlaubnisschein legal.“

Die 1,5 Zentimeter großen Knaller werden mit Hilfe von Platzpatronen aus Signalschusswaffen bis zu 30 Meter in die Höhe geschleudert und explodieren in der Luft. Die enthaltenen zwei Gramm Sprengstoff haben eine durchschlagende Wirkung. Sogar Fensterscheiben können durch die Explosion zu Bruch gehen. Im Gegensatz zur Munition ist die Pistole zum Abschießen ab 18 Jahren frei käuflich. Normalerweise wird Vogelschreckmunition von Jägern oder Besitzern von Obstbaumwiesen verwendet.

Mindestens genauso gefährlich sind die sogenannten Polenböller. Zum Teil finden sich darin verhärtete Gipsstücke, die beim Explodieren meterweit durch die Luft schießen. Besonders gefährlich ist die schlechte Qualität der Zündschnüre. Geht ein „Polenböller“ in der Hand los, können von der Druckwelle ganze Finger abgerissen werden.

Erst vor zwei Wochen haben zwei junge Männer in Lichtenberg mit einem „Polenböller“ einen Briefkasten gesprengt. Dabei wurde auch ein Auto beschädigt. Bei der Wohnungsdurchsuchung bei den 17- und 20-Jährigen fand die Polizei weitere zehn illegale Knaller. Gegen beide wird wegen „Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion“ ermittelt.

Neuerdings wird die explosive Ware verstärkt über das Internet angeboten, sagt Opitz. Über die Versandseite kann die Polizei den Verkäufer ermitteln und einen Durchsuchungsbeschluss beantragen. Mehr als 100 Kilogramm illegale Vogelschreckpatronen und „Polenböller“ hat das Landeskriminalamt allein in den vergangenen zwei Wochen bei Hausdurchsuchungen beschlagnahmt. Hinzu kommen mehrere Tonnen nicht genehmigter Raketen und kleinerer Knaller.

Der Großteil der Munition stammt aus Polen. „Es ist jedes Jahr dasselbe“, sagt Zoll-Sprecher Volker Weiss aus Frankfurt (Oder). „Die Leute wollen Geld sparen, fahren schnell nach Polen und decken sich dort ein.“ Reihenweise wurde in den vergangenen Tagen illegales Feuerwerk an der Grenze beschlagnahmt. Der Zoll leitet gegen die Täter ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ein. Gegen die Feuerwerksmärkte auf polnischer Seite sind die Grenzer aber machtlos. „Das ist polnisches Hoheitsgebiet, nur die dortigen Behörden können eingreifen.“

Doch gefährlich sind nicht nur die Böller und Vogelschreckpatronen – sondern manchmal auch die vermeintlich so harmlosen Wunderkerzen. Am Dienstagabend ist gegen 21.20 Uhr in der Mahlower Straße in Neukölln ein Golf in Flammen aufgegangen. Die Feuerwehr konnte das Feuer zwar löschen, der Wagen aber wurde zerstört. Nach Zeugenaussagen hatten kurz vor dem Feuer mehrere Kinder Wunderkerzen in unmittelbarer Nähe des Fahrzeuges abgebrannt. Ein Brandkommissariat hat nun die Ermittlungen übernommen. Johannes Radke

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