Silvesterparty : Fröhlicher Start ins WM-Jahr

Fröhlich und weitgehend friedlich haben die Menschen in Deutschland das Jahr 2006 begrüßt. Bei der Silvesterparty in Berlin fiel der offizielle Startschuss für das Jahr der Fußball-WM.

Berlin/Hamburg/München - Rund eine Million Menschen feierten ausgelassen auf der Festmeile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule. Auch in den anderen Teilen Deutschlands verlief der Jahreswechsel überwiegend friedlich. Trotz unfreundlichen Regenwetters kamen zur traditionellen Silvesterparty im Hamburger Hafen 25.000 Menschen zusammen.

In Berlin erleuchtete um Mitternacht ein Feuerwerk mit 1600 Raketen den Nachthimmel. Nach Angaben von Polizei und Feuerwehr verlief die Silvesternacht so ruhig wie lange nicht mehr. Innen- und Sportminister Wolfgang Schäuble (CDU) begrüßte auf einer Bühne am Brandenburger Tor unter dem Motto «Welcome to Germany» Botschafter und Gesandte der 31 WM-Gastländer. «Wir Deutsche freuen uns, dass so viele Freunde aus aller Welt zu uns kommen», sagte Schäuble.

Mit der zwei Kilometer langen Partystrecke wurde den Berlinern ein Vorgeschmack auf die offizielle WM-Fanmeile an gleicher Stelle zwischen dem 7. Juni und 9. Juli 2006 gegeben. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt knallten dort die Sektkorken. Die Zahl der Feuerwehreinsätze sei im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Fünftel auf etwa 1000 zurückgegangen, sagte ein Sprecher. Insgesamt wurden 245 Brände gelöscht, vor einem Jahr waren es noch 307.

Doch zwischen den ganzen fröhlichen Feiern gab es auch tragische Vorfälle. Im Zentrum Gelsenkirchens wurde ein sieben Jahre altes Mädchen auf einer Freiluft-Silvesterfeier angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Im Krankenhaus wurde ein Durchschuss im Bauch festgestellt. Das Mädchen schwebte nach einer Notoperation in Lebensgefahr. Der Täter, ein 63-jähriger Mann, stellte sich im Laufe des Sonntags der Polizei. Er gab an, die Siebenjährige mit einem Pistolenschuss verletzt zu haben. Die mutmaßliche Tatwaffe übergab er der Polizei. Weitere Einzelheiten sollten erst am Montag bekannt gegeben werden.

In Iserlohn erschoss in der Silvesternacht ein Unbekannter aus einem Auto heraus zwei Menschen. Die beiden Opfer, eine 32-jährige Frau und ein 23 Jahre alter Mann, starben noch am Tatort. Ein 18 Jahre alter Zeuge wurde verletzt. Die Hintergründe der Tat lagen am frühen Sonntagnachmittag völlig im Dunkeln.

In Bayern verletzten sich mehrere Dutzend Menschen, als sie mit Feuerwerkskörpern hantierten. Einem 20-Jährigen im schwäbischen Sielenbach wurden von einem explodierenden Silvesterknaller vier Finger und ein Großteil der linken Hand abgerissen. Die Münchner Polizei verzeichnete 551 Einsätze binnen zwölf Stunden. Größere Störungen wurden nicht gemeldet. Bei Gebäudebränden in Bayern entstand in der Neujahrsnacht ein Sachschaden von mehr als einer halben Million Euro. Sechs Menschen wurden leicht verletzt. Möglicherweise wurden einige der Brände durch Feuerwerk ausgelöst.

Auch im Norden verlief der Jahreswechsel eher ruhig. Einsatzkräfte seien mit dem «üblichen Silvesterwahnsinn» wie Verletzungen durch Feuerwerkskörper, Kleinbränden und Schlägereien beschäftigt gewesen. Haus- und Dachstuhlbrände ohne Schwerverletzte in Lübeck, Niebüll und Hamburg gingen auf Kosten von verirrten Silvesterraketen. «Das Regenwetter ersparte uns vermehrte Einsätze», sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr. Die Feuerwehr Hamburg rückte mit 820 Einsätzen etwa so oft wie im Vorjahr aus.

In Lübeck wurde ein 50 Jahre alter Mann aus einem fahrenden Auto mit einem Böller beworfen und schwer an der Hand verletzt. In Rühen bei Gifhorn in Niedersachsen erlitt eine 37- jährige Frau beim Fondue-Essen schwere Brandverletzungen. Ihr Mann hatte Brennpaste ins Fondue-Gerät nachfüllen wollen, da knallte es plötzlich, und die Kleidung seiner Frau stand in Flammen.

Ein Brand in einem Lagerraum über einer Discothek in Essen bescherte 140 Gästen eine Silvesterparty in einem Linienbus, wo sie die Feuerwehr hingebracht hatte. Nach gut zwei Stunden - und damit nach dem Jahreswechsel - konnten die Gäste in die Discothek zurückkehren. Verletzt wurde niemand.

Mit Feuerwerken in Stadt und Land begrüßten auch die Hessen bei überwiegend trübem Wetter das neue Jahr. Vor der erleuchteten Frankfurter Hochhauskulisse und zwischen Wiesbaden und Mainz fuhren die Kapitäne der Ausflugsschiffe laut hupend über Main und Rhein.

Dank einer «Schaltsekunde» dauerte die Silvesternacht in diesem Jahr eine Sekunde länger. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig fügte am Neujahrstag um 0:59:59 Uhr MEZ (also um 23:59:59 Uhr Weltzeit/GMT) eine so genannte Schaltsekunde ein, um die Zeit der Erdrotation anzupassen. Das wird immer wieder gemacht, weil die Erde für eine Umdrehung etwas länger braucht als 24 Stunden, also der Zeit aus den Atomuhren hinterher hinkt, erläuterte ein Sprecher. (tso/dpa)

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