Silvesterparty für Gastronomen : Dreh’ die Zeit zurück

Ja, ist denn noch Silvester? Für die Gastronomen schon! Denn viele von ihnen mussten arbeiten, als alle anderen ins neue Jahr feierten. Nun holten sie die Nacht nach – wir waren dabei.

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Zehn, neun, acht ... Kuss! Auch zehn Tage nach Silvester feiert es sich noch ganz gut ins neue Jahr. Wenigstens ist die Böllergefahr da geringer.
Zehn, neun, acht ... Kuss! Auch zehn Tage nach Silvester feiert es sich noch ganz gut ins neue Jahr. Wenigstens ist die...Foto: ddp

Arbeiten, wenn alle anderen feiern, ist blöd – besonders an Silvester. Diejenigen, die dafür sorgen, dass alle anderen am 31. Dezember nicht auf Catering, Clubbing und Cocktails verzichten müssen, lud das „Spindler & Klatt“ in der Köpenicker Straße in der Nacht zu Donnerstag zu einer nachträglichen Silvesterparty. Erlebnisse aus einer Nacht, in der manche versuchten, die Zeit zurückzudrehen.

23:30 Auf der Tanzfläche bewegt sich außer den bunten Luftballons nicht viel. Liegt wohl daran, dass erst eine halbe Stunde zuvor die Türen geöffnet wurden. Die meisten der mit Luftschlangen geschmückten Tische sind noch leer, an der Bar versuchen Hostessen, ihre Gratisshots an die ersten Gäste loszuwerden. Hier stehen auch Björn Krahl, 26, und Giovanna Rößler, 25, mit ihren Freunden. Björn war an Silvester bis acht Uhr morgens im „Puro“ – von der spektakulären Aussicht vom 20. Stock des Europa-Centers hatte er allerdings nicht viel: Er schob die ganze Nacht Bardienst. Seine Freundin Giovanna hat im „12 Apostel“ bis ein Uhr morgens Pizzen serviert. Isabel und ihre beiden Kolleginnen mussten zwar nicht am 31. arbeiten, dafür aber an Neujahr: Sie sorgten dafür, dass ab acht Uhr morgens das Frühstück für die Hotelgäste bereitstand. Erwartungen an den heutigen Abend? „Nee, wir sind ganz spontan hergekommen“, sagt Isabel. „Und gute Neujahrsvorsätze haben wir auch nicht, die hält man ja eh nicht ein.“ Sie lacht.

Die Silvesterparty am 31.12. war blöd, deshalb feierten Anna und Nicky 10 Tage später einfach nochmal.
Die Silvesterparty am 31.12. war blöd, deshalb feierten Anna und Nicky 10 Tage später einfach nochmal.Foto: Langer

23:45 Thorgen lehnt lässig mit einer Zigarette und einem Gin Tonic an einem der Stehtische im Raucherbereich. Der 27-jährige Grafikdesigner wartet auf seine Kollegen. Er selbst hatte zwar an Silvester frei, doch: „Ich will einfach einen netten Abend mit meinen Leuten verbringen“, sagt er. So scheint es vielen hier zu gehen: Alte Kollegen werden begrüßt, Umarmungen, Schulterklopfen, großes Hallo, allgemeine Wiedersehensfreude.

23:50 Veranstalter Felix Brandts hat kaum eine ruhige Minute, weil er ständig Bekannte begrüßen muss. „Ich habe mich immer gefragt, warum es in Berlin keine Silvesterparty für Gastronomen gibt“, erzählt der 28-jährige Eventmanager. „In Hamburg, München oder Köln ist das längst Tradition.“ Sein eigenes Silvester war halb geschäftlich, halb privat: Brandts, Betreiber des „Department“ im ehemaligen Postfuhramt in Mitte, hat zusammen mit Geschäftspartner Tawan Tehrani dort am 31. Dezember die letzte Party veranstaltet: 2013 muss der Club, ebenso wie das „C/O Berlin“, das Gebäude an der Oranienburger Straße räumen.

0:00 Was ist mit dem angekündigten Feuerwerk? „Das findet erst um ein Uhr statt, denn erfahrungsgemäß kommen viele erst später“, sagt Brandts. Der Moment, auf den an Silvester alle warten, wird hier einfach übertanzt. Kein Countdown, keine Sektkorken. Dafür füllt sich allmählich die Tanzfläche. Die Studentinnen Anna und Nicky haben zwar schon am richtigen Termin ins neue Jahr gefeiert, „aber die Party war doof, deshalb versuchen wir es hier einfach noch mal“. Auch wenn sie am nächsten Morgen früh aufstehen müssen. Anders Björn Krahl und Giovanna Rößler: „Wir ziehen nachher noch weiter ins Watergate, bis sechs Uhr sind wir bestimmt unterwegs“, schätzt der Barmann vom „Puro“.

Marcel hat an Silvester ein Event veranstaltet. Diesmal ist er einfach nur Gast.
Marcel hat an Silvester ein Event veranstaltet. Diesmal ist er einfach nur Gast.Foto: Langer

0:59 Nun also doch. Felix Brandts schnappt sich das Mikro für den Silvestercountdown: „Zehn, neun, acht...“. Bei „Null“ gehen ein paar Knaller los, Wunderkerzen werden gezündet, es regnet Konfetti. Marcel und Stefan, die es sich mit ihren Kollegen auf einem der Loungesofas direkt an der Tanzfläche bequem gemacht haben, stoßen mit Whiskey-Cola an: „Frohes Neues!“ Stefan, der an Silvester in seiner Bar in Waren (Müritz) bis in den frühen Morgen Cocktails gemixt hat, freut sich, dass er am nächsten Tag nicht arbeiten muss: „Ich bin extra nach Berlin gekommen, um mal ganz entspannt zu feiern.“

2:00 Organisator Brandts will die Gastrosilvesterparty in Berlin etablieren: „An welchem Ort sie nächstes Jahr stattfindet, steht noch nicht fest. Aber dass es eine Party geben wird, ist gewiss.“ Nur das mit dem Feuerwerk sollte er vielleicht noch mal überdenken.

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