Silvesterstimmung : Gut eingestimmt auf den Jahreswechsel

Ausgebuchte Hotels, ein Riesenfest am Tor und jede Menge zündendes Pulver – die Berliner Feuerwehr und die Kliniken sind vorbereitet.

Jörn Hasselmann,Christoph Stollowsky
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Fromme Lieder. Die Sternsinger feierten am Dienstag in der St.-Hedwigs-Kathedrale in Mitte den Beginn der traditionellen...ddp

Bitterkalt soll es zum Jahreswechsel werden, aber die Silvesterstimmung in Berlin wird dennoch „wieder super sein“. Da ist sich Christian Tänzler, Sprecher der Berlin Tourismus Marketing GmbH, ganz sicher. Mehr als eine Million Menschen werden zur großen Silvesterparty am Brandenburger Tor erwartet, die Hotels aller Kategorien sind bestens gebucht, die Restaurants in der City haben jede Menge Reservierungen. Am Dienstag lief auch der Verkauf von Feuerwerk an. Berlins Kliniken, Feuerwehr und Polizei bereiten sich zugleich mit Hochdruck auf die Schattenseiten des Neujahrsfestes vor: In den Rettungsstellen der Vivantes-Krankenhäuser und auf den Feuerwachen wird das Personal in der Silvesternacht teils verdoppelt.

„Berlin gehört inzwischen zu den internationalen Topadressen für einen Silvesterbesuch“, freuen sich die Tourismuswerber der Stadt. Ganz entscheidend sei dabei die traditionelle Party zwischen Brandenburger Tor und Großem Stern. Auch in dieser Saison reisen dazu wieder Zehntausende Touristen aus aller Welt an. Die Hotels seien „super“ gebucht, sagt Klaus-Dieter Richter vom Hotel- und Gaststättenverband.

Am letzten Tag des Jahres ab etwa 15 Uhr werden Hunderttausende Berliner und Besucher wieder zum Tor und auf die Straße des 17. Juni strömen, wo vom Nachmittag an DJs und Livebands Stimmung machen. Schon seit Montag laufen die Vorbereitungen für diese größte Silvesterfete Deutschlands. Die Straße des 17. Juni bleibt im Festbereich wegen des späteren Abbaues noch bis zum 3. Januar gesperrt. Am Donnerstag werden ab 12 Uhr auch noch Teile der Dorotheenstraße, Scheidemannstraße, der Paul- Löbe-Allee und John-Foster-Dulles-Allee dichtgemacht. Diese Sperrungen bleiben bis um die Mittagszeit des 1. Januar. Man sollte also möglichst mit S-Bahn und BVG anreisen.

Zwischen Discozelten und Showbühnen können sich die Partybesucher auf der zwei Kilometer langen Feiermeile bis Mitternacht in Stimmung bringen. Pünktlich zum Jahreswechsel werden dann mehr als 1000 Feuerwerkskörper zu Musik etwa zehn Minuten lang in den Nachthimmel steigen. An der Dramaturgie des Lichterzaubers arbeiten die Pyrotechniker zurzeit noch eifrig.

Damit die Stimmung nicht getrübt wird, gelten bei der Party strenge Sicherheitsbestimmungen. Spitze Gegenstände, harte alkoholische Getränke und Glasflaschen sind tabu. Außerdem dürfen keine Feuerwerkskörper mitgebracht werden. Vermutlich sei der seit Dienstag erlaubte Verkauf von Feuerwerk auch deshalb „verhalten“ angelaufen, sagt der Geschäftsführer von Kaufhof am Alexanderplatz, Detlef Steffens. Besucher der Megaparty würden sich nicht mehr mit eigenem Feuerwerk eindecken. Doch ebenso wie Steffens waren auch andere Verkaufsstellen optimistisch, „dass der Boom ab Mittwoch beginnt.“

Neu im Sortiment sind sogenannte „Ultra-Power-Artikel“. Bisher durften Verbundfeuerwerke, bei denen eine ganze Batterie von Vulkanen, Böllern, Raketen und Fächern an einer Zündschnur hängt, nur mit maximal 200 Gramm Explosivpulver gefüllt werden. Nach Auskunft des Herstellers „Comet“ sind nun erstmals 500 Gramm erlaubt. Deshalb werden solche Artikel jetzt als der „neue, besonders lang andauernde Spaß “ angepriesen.

Feuerwehrchef Wilfried Gräfling rechnet mit etwa 500 Verletzten durch Böller. Die vor drei Jahren initiierte Präventionskampagne, die vor allem Jugendliche erreichen soll, zeige erfreulicherweise Wirkung. Peter-Michael Albers von der Vivantes-Rettungsstelle sagte, dass mittlerweile „Alkohol den Knallern den Rang abläuft“. So gab es im Vorjahr ebenso viele Verletzte durch Alkoholmissbrauch und Schlägereien wie durch Böller. Eine Umfrage unter Böllerverletzten habe ergeben, dass die Hälfte nicht selbst gezündelt hatte, sondern Opfer fremder Pyrotechnik wurde. Die Polizei registrierte in diesem Jahr einen „Trend zu illegalem Internethandel mit Vogelschreckmunition.“ Über 100 Kilogramm wurden sichergestellt, dazu mehrere Tonnen nicht zugelassener Böller und Raketen. An den letzten beiden Tagen des Jahres sollen die Kontrollen noch verstärkt werden.

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