Berlin : Sind die Pläne für den Umbau der Museumsinsel zu teuer?

Werner van Bebber

Politische Zahlen sollen die Prüfer des Bundesrechnungshofes angeblich genannt haben, als sie die Restaurierungskosten für die Museumsinsel monierten. Politisch ist der Vorwurf, der Bund gebe für die Museumsinsel 130 Millionen Euro zu viel aus, allerdings, und für die politische Unkorrektheit der pointierten Kritik kann man den Prüfern dankbar sein. Sicher, es geht nicht um das Geld der Berliner. Die 130 Millionen sollen alle deutschen Steuerzahler aufbringen, da könnte man in gelernter Berliner Manier die Rechnungshofkritik als kleinlich abtun.

Man kann sie aber auch ernst nehmen, ohne das Ansehen der Museumsinsel in der Spree versinken zu sehen. Was spricht dagegen, dieses wunderbare Ensemble schlicht zu restaurieren, statt in der zeitgeistüblichen Art Fußböden abzusenken, Tunnel zu bohren und Empfangsgebäude anzumontieren, um ein zeitgeistbeflissenes Besuchermanagement möglich zu machen?

Ist einem Museumsbesucher ein Gang unter freiem Himmel von einem zum anderen Museum nicht mehr zuzumuten? Wollen die Leute Bilder und Plastiken sehen – oder wollen sie kulturell verköstigt werden? Wenn sie erleben wollen, wie sich die Mitte Berlins zu besten Bildungsbürgerzeiten dargestellt hat, muss die Insel nicht untertunnelt werden. Wenn man die Leute mit Kultur nur abspeisen will, sollte man die Museen gleich mit Busspuren durchziehen.

Sparen ist gut. Darauf zu achten, dass kein Geld verschwendet wird, ist noch besser. Und darauf sollte sich der Bundesrechnungshof auch beschränken. Kulturpolitik zu machen, gehört gewiss nicht zu seinen Aufgaben. Die Politik als Geldgeber und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Hausherr entscheiden, wie die Museumsinsel in Zukunft aussehen soll. Und sie haben sich festgelegt. Die historischen Häuser werden saniert oder wieder aufgebaut. Und ergänzt wird das Ensemble durch ein neues Eingangsgebäude sowie durch eine neue Verbindung der Häuser untereinander – einer „Archäologischen Promenade“. Das wird teuer, gewiss. Aber bei Gesamtkosten von rund 1,5 Milliarden Euro müssten auch die zusätzlichen 130 Millionen Euro drin sein, deren Ausgabe auf viele Jahre verteilt wird.

Besucher von Museen kommen nicht nur zum Sehen. Sie wollen sich in den Häusern auch wohlfühlen. Und das beginnt schon am Eingang. Was das Pergamonmuseum heute seinen Gästen bietet, ist nicht angemessen. Bei größerem Andrang wird es ganz schnell eng. Ein funktionales, zentrales Eingangsgebäude für alle Häuser ist kein Luxus, sondern notwendig, um die Attraktivität der Museumsinsel zu erhalten. Wie ein Museum davon profitieren kann, hat Paris mit dem Louvre und der gläsernen Pyramide gezeigt. Beim Bau sollte sich der Rechnungshof darauf konzentrieren, dass kein Geld verpulvert wird. Eine gute Idee sollte man aber nicht kaputtsparen. Klaus Kurpjuweit

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