Berlin : Singen, essen, trinken

Der Liedermacher Gerhard Schöne gibt am Weißen See ein Familienkonzert

Christian Böhm

Liederwünsche zu erfüllen, das ist bei Konzerten Gerhard Schönes ein fester Programmpunkt. Wenn er am kommenden Sonnabend auf der Freilichtbühne am Weißen See spielt, will er alle Lieder singen, die sein Publikum hören will. „Bis ich mich verspiele“, sagt er lachend. „Dann kommt das nächste Lied dran.“ So könnte es ein lustiger Abend werden.

Kinder wie Erwachsene mögen Gerhard Schöne, den bis heute bekanntesten Liedermacher Ostdeutschlands. Denn er ist keiner, der sich auf der Bühne verstellt. Er singt von eigenen Erlebnissen, von Dingen, die ihn selbst beschäftigen: der tägliche Umgang miteinander, die Lebensträume von Kindern und Erwachsenen. Seine Fans schätzen Schönes Aufrichtigkeit und moralische Integrität.

Unterwegs ist der Sänger, der im Berliner Umland wohnt, jetzt mit Band und einem neuen Programm, in dem seine neue CD im Zentrum steht. Für „Fremde Federn“ hat Schöne Eigenbearbeitungen seiner „Lieblingslieder aus anderen Ländern“ aufgenommen: Von der amerikanischen Folksängerin Betty Elders, die durch Joan Baez bekannt wurde, stammt „Der Riss im Spiegel“. Das Lied erzählt die Geschichte eines Mädchens, das von einem Freund des Vaters sexuell missbraucht wurde. Auch Stings Antikriegssong „Fragile“ gehört zu Gerhard Schönes Favoriten: „Der Liedtext fängt ein, wie empfindlich das Leben ist.“ In Titeln von Leonard Cohen, Bob Dylan und anderen stecken weitere Schöne-Themen.

Der 52-Jährige entstammt dem kirchlich-oppositionellen Umfeld der DDR. Mit 13 schrieb er seine ersten Lieder und Parodien für ein Dorfkabarett, das ein Familienfreund – ein Pfarrer wie Gerhard Schönes Vater – in Sachsens Provinz leitete. Damals schon, Mitte der 60er Jahre, war er mit seinen kritischen Liedern überaus erfolgreich. Aber um Politisches soll es sich beim Konzert am Weißen See gar nicht in erster Linie drehen. „Open Air – das ist schon etwas anderes als ein Konzert in der Kirche, wo sich Zuschauer auf die Musik konzentrieren.“ Er stellt sich sein Konzert wie ein Sommerfest vor: „Eltern packen sich etwas zu essen und zu trinken ein, und die Kinder klettern ein bisschen herum.“ Es soll ein schöner Sommerabend werden, mit Liedern, die allen Spaß machen: Der Sänger singt seine neu bearbeiteten Lieblingslieder. Die Eltern werden neben vertrauten Songs auch Kritisch-Neues hören. Und Kinderlieder sind auch im Programm. „Jule wäscht sich nie“ wird er auf jeden Fall singen. - Er hat’s versprochen.

Karten für das Konzert am Sonnabend, 14. August, um 19.30 Uhr auf der Freilichtbühne am Weißen See über die Telefonnummer (030) 611 013 013. Sie kosten 18 Euro.

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