Berlin : Singender Jedermann

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„ René Kollo ist der einzige Sänger, bei dem ich immer den Liedtext verstanden habe“, sagte gestern Brigitte Grothum , Regisseurin des Berliner „Jedermann“, die auch als eine der drei Fernsehdamen „vom Grill“ bekannt wurde. Der Tenor sei ein Künstler, bei dem „die Sprache immer im Vordergrund stehe“. Nicht nur deshalb sei sie lange „hinter ihm her“ gewesen – als Besetzung für den „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal in ihrer traditionellen, alljährlichen Inszenierung im Berliner Dom. Bis jetzt hatte sein übervoller Terminkalender den „Abstecher zur Sprechrolle“ stets verhindert. Gestern jedoch präsentierte sie den Opernsänger, der zu Beginn seiner Karriere auch Schlager trällerte, als ihren neuen Hauptdarsteller – im Fotoatelier Urbschat am Kurfürstendamm. Sie freute sich besonders, dass das „gerade zum Jubiläum geklappt hat“. In diesem Jahr inszeniert Grothum das Mysterienspiel schon zum zwanzigsten Mal in Berlin, vom 19. bis zum 29. Oktober. „Bei der Besetzung hat der da oben kräftig mitgeholfen“, sagte sie glücklich. Eigentlich kein Wunder, denn für sie ist „Kunst doch letztlich auch Religion“. Das will sie mit dem „Jedermann“ deutlich machen. Kollo freute sich dagegen vor allem darauf, als Schauspieler weniger asketisch zu leben als sonst. „Beim Singen wird man körperlich wesentlich mehr in Anspruch genommen: Drei Tage vor einem Auftritt darf man weder rauchen noch trinken.“ Außerdem fühle er sich auf der Theaterbühne freier als auf dem Opernparkett. Ob es trotzdem eine Gesangseinlage geben wird? „Das wollen wir noch nicht verraten“, antwortete Brigitte Grothum geheimnisvoll. dma

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