Berlin : Singender Saisonarbeiter

Als Student fing er an, mit 40 ist Valentin von Blanckenburg immer noch Weihnachtsmann auf Bestellung

Marc Neller

Das muss ein schöner Schreck gewesen sein, für die erste Familie, bei der Valentin von Blanckenburg den Weihnachtsmann gab. Der damals 22-Jährige sah vor lauter wattigem Rauschebart den Fußboden nicht mehr, auf dem er lief, und stürzte in den dunklen Keller. Das war 1986. Valentin von Blanckenburg studierte, spielte Gitarre und wartete auf den Durchbruch mit seiner Band. Und er brauchte Geld, für Noten, Saiten, Mikrofone und so weiter. Deshalb der Auftritt in Rot. Er war schrecklich nervös, das weiß er bis heute. „So sehr, dass ich dachte, ich kann’s nicht.“

Doch weil, abgesehen vom Kellersturz, alles gut ging beim Weihnachtsmanndebüt, blieb er dabei. Heute ist Valentin von Blanckenburg 40 Jahre alt und weiß sich zu verkaufen. Er hat sich zwei Markenzeichen zugelegt: Zum einen die Gitarre, die ihm schon beim ersten Auftritt über die Versagensparanoia rettete. Wenn mir nichts mehr einfällt, dann singe ich eben ein Weihnachtslied, hatte er sich damals gedacht. „Ich hatte wenig Selbstvertrauen“, erinnert von Blanckenburg sich. „Dabei ist es das Wichtigste an diesem Job, dass man das Gefühl hat, jede Situation meistern zu können.“ Inzwischen kann er mehr als das. Inzwischen leistet er sich sogar eine Marotte: Er hat sich überlegt, dass er nicht im roten Mantel auftreten will, weil die rote Farbe ja nur die Erfindung von Coca-Cola ist. Er kleidet sich in Blau, ganz so wie der echte ursprüngliche Nikolaus es hielt. In diesem Aufzug hatte er im vergangenen Jahr mit der Band „The Jingle Bells“ einen Kurzauftritt im ZDF-Morgenmagazin.

Valentin von Blanckenburg verlässt den Raum. Als er zurückkommt, ist der Mann mit Lockenkopf, Vollbart und der sonoren, rauchigen Stimme ein anderer. „Manchmal komme ich mir schon vor wie der Weihnachtsmann persönlich“, sagt er. Seine Lust, sich zu verwandeln und zur Schau zu stellen, wirkt echt. Viele Weihnachtsmann-Kollegen von damals sind heute Akademiker. Er ist Saisonarbeiter geblieben: im Sommer Sänger einer Reggae-Band und Gärtner, im Winter Weihnachtsmann und Nikolaus. Längst tritt er nicht mehr nur am Heiligabend auf. Das Handy klingelt. „Hallo, Weihnachtsmann Valentino“, meldet er sich. Eine Firma will ihn für die Weihnachtsfeier buchen. Das sind die ruhigeren Termine. „Heiligabend habe ich gut 20 Minuten pro Familie“, sagt er. Und keine mehr. Denn: „Wenn ich überziehe, sind die Folgenden sauer.“

Im Keller ist von Blanckenburg nicht mehr gelandet. Aber mit den künstlichen Bärten hat er immer noch Probleme. Kunstfaser juckt.

Valentin von Blanckenburg, Tel. 53210967 oder www.the-jingle-bells.de

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