Sinnfragen : "Ich habe neben einer Mülltonne am Ostbahnhof gelebt"

Mario Pelz ist Gast der Tagesstätte "Mut" für Obdachlose und Bedürftige. Mit dem Tagesspiegel spricht er über Lebensmut.

Mario Pelz, 49
Mario Pelz, 49

Warum haben Sie sich anfangs nicht über die Türschwelle gewagt?

Ganz ehrlich, vor zehn Jahren bin ich fünf Mal um das Haus herumgelaufen, bis ich in mich hier in die Weitlingstraße 11 in Lichtenberg getraut habe. Das war für mich der Horror, eine Erniedrigung, Hilfe anzunehmen. Aber ich hatte buchstäblich nichts mehr zu essen. Das bekomme ich hier, ich liebe das Gulasch, ganz wunderbar, die Helfer sind toll.

Warum sind Sie damals abgestürzt?

Ich bin gelernter Drucktechniker. Als die Wende kam, wurde ich rausgeschmissen, dann kam diese Mieterhöhung, und der Teufelskreis begann. Ich habe zum Schluss in einem Schlafsack neben einer Mülltonne am Ostbahnhof gelebt, bis mich Frau Dr. Jenny de la Torre ansprach und mir neuen Mut machte.

Wie kämpfen Sie sich durchs Leben?

Ich lebe in einem Wohnheim, ich muss noch Schulden abtragen. Es geht dort ganz schön streng zu, da wird viel Wert auf Ordnung und Sauberkeit gelegt. Ich verdiene jetzt ein bisschen Geld – als Statist beim Film. Gerade stand ich ganz früh als einer der Ersten bei einer Filmpremiere bei Tom Hanks am Roten Teppich, dem habe ich sogar die Hand geschüttelt. Einmal durfte ich im Film schon mal einen Satz sagen, das macht mir Spaß. Jetzt weiß ich auch, dass ich das beim Arbeitsamt melden muss, aber so viel verdiene ich als Statist ja nicht.

Das Gespräch führte Annette Kögel

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