SINNFragen : SINNFragen

Ronny, 19, und Thomas, 28,
Ronny, 19, und Thomas, 28,

Wie fing das mit der Sucht an?

Ronny: Ich habe alles heimlich gemacht, mit Freunden. Zwischendurch war ich auch in einem Internat und in betreutem Wohnen - hat alles nichts gebracht. Dann wurde ich zu Hause rausgeschmissen. Bei Freunden kam ich immer nur dann unter, wenn ich Drogen hatte, dann waren sie supernett und hilfsbereit. Auch ich war auch auf der Straße, habe hohe Schulden gemacht.

Thomas: Ich hatte eigentlich eine ganz normale Kindheit, nur dass sich meine Eltern getrennt haben. Mit fünfzehn, sechzehn dann das erste Bier, erste Zigarette, erster Joint… Dann kamen die härteren Sachen dazu – und ich habe meinen Ausbildungsplatz verloren. Später schlug mein Vater mir Synanon vor.

Wie funktioniert Synanon denn?

Ronny: In den Projekten der Synanon-Stiftung leben nur ehemalige Drogenabhängige. Seit 40 Jahren gibt es die Hilfe zur Selbsthilfe für Menschen mit Süchten aller Art, wie Essstörungen oder Alkoholproblemen. Bei uns arbeiten keine Therapeuten oder Mediziner; wir helfen uns gegenseitig. Manchmal suchen wir zwar auch Unterstützung bei Experten von außen. Aber alle Leute bei Synanon haben ähnliche Erfahrungen gemacht mit Entzug und Sucht. Du musst hier nicht um Hilfe bitten; die Leute kommen auf dich zu. Nach und nach bekommt man immer mehr Verantwortung übertragen; für das Gruppenzimmer, für andere Mitbewohner. In den ersten Wochen verlässt man das Haus nicht alleine, ein Rückfall wäre programmiert.

Was lernen Süchtige durch das Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe?

Thomas: Einen geregelten Alltag zu leben. Um 6 Uhr aufstehen, duschen, Zähneputzen, rasieren, frühstücken. Das muss ein Abhängiger erst wieder lernen. Wenn man 10 Jahre lang drauf war, ist so was nicht selbstverständlich. Tagsüber wird man in den Zweckbetrieben und Arbeitsbereichen von Synanon, etwa in der Küche, beschäftigt. Wir wollen vermeiden, dass die Leute alleine auf ihren Zimmern bleiben.

Hätten Sie es auch alleine geschafft?

Ronny: Mit Sicherheit nicht. Anfangs habe ich vieles nicht verstanden. Einmal wollte ich das Ganze hinschmeißen. Aber dann habe ich mit meiner Richterin telefoniert, und sie hat mir geraten, es noch einmal zu versuchen. Seit ich hier lebe, haben sich viele Einstellungen von Grund auf geändert, das hätte ich selbst nicht gedacht.

Im Gespräch mit Annemieke Overweg

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