Berlin : Sinnvoll warten

Christine Lang

Oft genug habe ich mich mit Freunden in Clubs oder Bars zu einem ungefähren, aber nicht völlig beliebigen Zeitpunkt verabredet und musste dann alleine am Tresen sitzend eine gute Weile auf sie warten. Insbesondere eine Freundin von mir braucht für ihr spezielles Party-Make-up unvorstellbar viel Zeit. Als Verena am letzten Samstag mit einer Dreiviertelstunde Verspätung kam, war ich schon fast betrunken und hatte eine halbe Packung Zigaretten aufgeraucht. Das übermäßige Rauchen war dabei dem Ringen um Beschäftigung und ein souveränes Auftreten geschuldet.

Das wäre mir im Kingkongklub nicht passiert. Offenbar wissen die Macher um die Bedürfnisse allein gelassener Gäste, die sich nicht nur auf Kickern oder Flippern reduzieren. Hier kann man all das tun, was man nach Feierabend auch zu Hause tun würde: Auf dem Sofa rumhängen, sich Kunstwerke an den Wänden anschauen, Fernsehen gucken und im Internet surfen. Der Kingkongklub existiert seit September 2003 und ist weniger ein Club als eine Lounge. Nur manchmal, eher zu später Stunde wird auch getanzt, obwohl es keine richtige Tanzfläche gibt. Es gibt ein täglich wechselndes Programm mit DJs, kleinen Events und musikalischen Performances. Geöffnet ist immer ab 21 Uhr und oft bis in die frühen Morgenstunden. Außer bei besonderen Events ist der Eintritt frei.

Der Raum ist mit Requisiten im Berlin-Style bunt ausgestattet. Zum Beispiel mit einem Gemälde hinter dem Tresen, das Schauspieler Robert Mitchum als Wanderprediger im Film „The Night of the Hunter“ zeigt. Allerdings wird es wohl morgen nicht mehr dort hängen, weil es anderen käuflichen Kunstwerken aus dem Atelier Fleischerei Platz gemacht hat. Dazu gestaltet das DJ-Team Vendetta unter dem viel versprechenden Motto „Wild Wednesday Night of Bimbos, Bitches and Psycho Lesbians“ das Musikprogramm. Mit eigenem Wortlaut versprechen uns DJ Miss Vergnügen und Coost Lardy Cake „Couch-Djing“ und „Crazy New Disco Style“. Unter all den Bildern und Nippes habe ich übrigens hinter dem Tresen eine Postkarte mit der Variation eines altbekannten Spruchs entdeckt: „Homedrinking is killing Gastwirt“. Wenn das mal kein Aufruf zum Ausgehen ist.

heute ab 21 Uhr „Wild Wednesday Night of Bimbos, Bitches and Psycho Lesbians“, Kingkongklub, Brunnenstr. 173, Mitte, www.king-kong-klub.de.

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