Berlin : Sir Peter ging leer aus

Alle Luxus-Appartements der „Oxford Residenz“ in Mitte sind weg. Der britische Botschafter kam zu spät

Nana Heymann

Kaum stand das Schild, konnte es auch schon wieder abgebaut werden. „Wohnungen zu verkaufen“, lockte die Aufschrift an der Kleinen Jägerstraße 11 in Mitte. Doch inzwischen, knapp einen Monat nach dem Richtfest, sind bereits alle 17 Wohneinheiten verkauft. Noch verdecken Baufahrzeuge, Gerüste und Nationalflaggen den Blick auf einen Großteil der unfertigen Klinkerfassade; dahinter arbeiten Bauarbeiter an der Fertigstellung des Luxus-Appartement-Hauses mit dem Namen „Oxford Residenz“.

Schon beim Richtfest konnte Mike Hinkel, Bauherr und Geschäftsführer der City Immobilien Consulting GmbH, prominenten Besuch begrüßen; unter den Festgästen waren der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sowie der britische Botschafter, Sir Peter Torry. Letzterer ist ein Freund des Bauherren – und mit seinem Geburtsort Oxford Namensinitiator für das Projekt. Auch Torry hatte sich für eine der großzügig geschnittenen Luxuswohnungen mit einer Deckenhöhe von über drei Metern interessiert. „Er hat sich leider zu spät entschieden“, sagt Hinkel lächelnd.

Insgesamt sechs Millionen Euro kostet Hinkel der Bau des architektonisch eher schlichten Gebäudes, das sich am Stil englischer Stadthäuser orientiert. Eigens dafür reiste der gebürtige Vogtländer mehrmals nach London, kurz nachdem er das Grundstück im Bieterverfahren des Liegenschaftsfonds ersteigert hatte. Gemeinsam mit den Architekten Thomas Müller und Ivan Reimann entwickelte er dann das gestalterische Konzept für das fünfgeschossige Haus, in dessen Erdgeschoss der Friseur Ralf Bohmgarn einen Salon eröffnen wird. „Wir wollten keine bahnbrechende Weltarchitektur und auch keinen modernen Glaspalast realisieren, sondern eher einen klassischen Baustil.“

Durchschnittlich 3400 Euro pro Quadratmeter ist den künftigen Eigentümern die exponierte Lage in Nähe des Hausvogteiplatzes und das britische Wohnflair wert. Ein vergleichsweise moderater Preis, wie Hinkel findet. „In Städten wie Hamburg oder München hätte man für diese Toplage fast das Doppelte bezahlen müssen.“ Die neuen Bewohner kommen aus Spanien, Polen, Großbritannien, Russland.

Die „Oxford Residenz“ ist Teil der Bebauung des Friedrichswerder, dem Areal rund um den Hausvogteiplatz. In der einst bürgerliche Wohn- und Geschäftsgegend entstehen nun sogenannte Townhouses, kleine Wohnhäuser mit Vorgärten. An der Stelle, an der Mike Hinkel seinen nunmehr fünfzehnten Bau in Berlin realisiert, stand zuvor das Kontorhaus eines jüdischen Tuchhändlers. Während des Zweiten Weltkriegs wurde es zerstört.

Sobald Hinkel das Oxford-Projekt beendet hat, will er sich der nächsten Baulücke in der Nachbarschaft widmen, am Hausvogteiplatz 14. Das Bieterverfahren um das Grundstück läuft und die City Immobilien Consulting hofft auf den Zuschlag. Sollte der 43-Jährige ihn erhalten, wäre das für Botschafter Sir Peter Torry die Gelegenheit, doch noch eine Wohnung in Toplage kaufen zu können.

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