Berlin : Sir Rocco nimmt die ganze Bank

Mit dem „Operncarée“ soll Berlins Mitte in neuem Glanz erstrahlen: Der Brite Rocco Forte will ein historisches Geldhaus in das eleganteste Hotel verwandeln

Lothar Heinke

Edel, luxuriös, neu und dennoch historisch – so soll sich in gut zwei Jahren der schönste Teil der Berliner Mitte zwischen „Linden“, Bebelplatz und Gendarmenmarkt präsentieren. Für 150 Millionen Euro wird hier ein „Operncarrée“ gebaut. Sein Glanzpunkt, rechts neben der St. Hedwigs-Kathedrale, wird ein Fünf-Sterne-Plus-Hotel mit 146 Zimmern. Das alte Gemäuer der einstigen Zentrale der Dresdner Bank und später der Staatsbank der DDR ist die Hülle für ein Nobelhotel, das nach dem Wunsch seines künftigen Betreibers, des britischen Unternehmers Sir Rocco Forte, „das eleganteste und durch den hohen Service auch das beste Haus in Berlin“ werden soll.

Sir Rocco Forte, Vorstandsvorsitzender der Luxushotelkette „Sir Rocco Forte & Family“ – die Schwester des Millionärs, Olga Polizzi, besorgt in den Häusern das Design – stand gestern bei der Präsentation der Projekte im Mittelpunkt des Interesses. Der 59-Jährige macht einen äußerst sportlichen Eindruck, er joggt regelmäßig, läuft Marathon und wurde 2002 Erster im britischen Team bei den Weltmeisterschaften im Triathlon. Berlin sei für ihn der richtige Ort: Der unverwechselbare, einfach phantastische Standort am Forum Fridericianum und das denkmalgeschützte Ambiente entspreche genau seinen Vorstellungen von Luxus, Schönheit, Tradition und Eleganz , wie sie schon in St. Petersburg („Astoria“), Rom („de Russie“) oder Manchester („Lowry“) Wirklichkeit wurden. Das Haus am Bebelplatz soll in Erinnerung an das einst an den „Linden“ gelegene Hotel „Grand Hotel de Rome“ heißen. In dem Gebäude wird bereits heftig gebaut, soweit das der Denkmalschutz erlaubt. Erhalten werden auf jeden Fall die Säulen aus rotem Granit oder Stuckmarmor, Schalterhalle, Kassensaal und diverse klassische Muster in den ehemaligen Chef- oder Besprechungsräumen. Die Zimmer in dem um die vorletzte Jahrhundertwende vom Architekten Heim erbauten Gebäude sind bis zu fünf Meter hoch, die Säle imposant. Einige Tresore im Keller werden erhalten, im hell gekachelten Gewölbe, in dem sich einst über 4000 Safes befanden, soll der Sauna- und Wellnessbereich eingerichtet werden.

Alle Beteiligten lobten sich gestern, weil alles so schön gelaufen ist zwischen Investor, Bezirk und dem Senat der „Chancenhauptstadt Europas“. Senator Strieder sah schon wieder den Aufschwung Berlins kommen, beschwor „temporäres Wachstum“ und bezeichnete das Fünf-Sterne-Haus als beste Werbung für Berlin. Im Gegensatz zur Hotel- und Tourismusbranche fand er indes das Absinken der Zimmerpreise durch eine Menge neuer Hotels ganz okay, so bekämen die Gäste immer preiswertere Betten, auch in den bislang 18 Fünf-Sterne-Häusern. Hier freilich verzieht Sir Rocco ziemlich schmerzhaft das Gesicht: „Davon gehe ich nicht aus“.

Die Verträge laufen, das Grundstück hatte der Bund an die Commerzbank als Investor verkauft, über den Preis herrscht Stillschweigen. Das gesamte „Operncarrée“ wird vom Projektentwickler Hochtief gebaut. Außer dem Hotel gibt es Büros in den angrenzenden ehemaligen Bankhäusern (Behren-Palais, Markgrafen-Palais) sowie einen Neubau an der Ecke Französische-/Markgrafenstraße, also hinter dem Französischen Dom. Oben Wohnungen, unten Geschäfte und Restaurants – damit ist der Gendarmenmarkt komplett.

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