Sitcom-Dreh : Bunt wie noch nie

In Tempelhof entstehen gerade 16 neue Folgen der Erfolgs-Sitcom "Türkisch für Anfänger".

Jan Oberländer

Die Schauspieler der ARD-Serie „Türkisch für Anfänger“ stehen in einem Studio auf einem Tempelhofer Gewerbegelände und halten deutsche und türkische Fähnchen hoch. Sie machen das fürs Gruppenfoto, eigentlich aber ist die Fahnenschwenkerei viel zu plakativ für diese intelligente Familien-Sitcom, die jedes Multikulti-Klischee immer wieder ironisch unterläuft.

Schon die Grundkonstellation ist so schräg, dass sie fast von selbst witzige Funken schlägt: Der türkischstämmige Kriminalkommissar Metin Öztürk, gespielt von Adnan Maral, und die leicht hysterische Psychotherapeutin Doris Schneider, dargestellt von Anna Stieblich, leben zusammen mit ihren jeweiligen Kindern in einem Haus. Konflikte innerhalb der Berliner Patchwork-Familie Öztürk/Schneider sind damit vorprogrammiert. Die 16-jährige Zicke Lena (Josefine Preuß) und der 17-jährige Macho Cem (Elys M’Barek) ver- und entlieben sich ständig, die 15-jährige Yagnur (Pegah Ferydoni) lebt streng nach den Gesetzen des Korans – aber nur, um ihren Vater zu ärgern. Letztlich interessiert sie sich doch nur für Cems Kumpel Costa (Arnel Taci). Und Opa Hermi grantelt und erzählt vom Krieg.

Bis zum 5. Juli wird gedreht, dabei entsteht die dritte Staffel der Serie, die unter anderem vor zwei Jahren mit dem Deutschen Fernsehpreis und vergangenes Jahr mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Auch dieses Jahr hat die Serie schon diverse Preise gewonnen – zuletzt den ersten Preis für Telenovelas beim kanadischen „Banff Television Festival“.

In den 16 neuen Folgen würden alle angefangenen Liebesgeschichten zum Abschluss gebracht, verrät Bora Dagtekin, der 30-jährige Drehbuchautor. Vor allem aber werde die Serie „multikultiger denn je“. Ein polnischer T-Shirt-Fälscher tritt ebenso auf wie dessen russischer Chef, außerdem kehrt Lenas beste Freundin Kathi (Cristina Do Rego) aus Amerika zurück. Und die türkische Oma mischt das Familienleben auf.

Ein großes und aktuelles Thema ist auch die Suche der Hauptfiguren nach einem Platz in der Berufswelt. So wird Cem nach seinem verbockten Abi mit der Frage konfrontiert, ob er denn ein „Hartz-IV-Türke“ werden wird oder es vielleicht doch als Ghetto-Rapper schafft. Lena zieht von zu Hause aus und lernt das Leben aus der Perspektive der Generation Praktikum kennen. Und Karrierefrau Kathi hospitiert sogar im Bundestag.

Die Erwartungen an die Macher sind hoch. Bereits jetzt ist ein Langfilm im Gespräch. Türkisch für Fortgeschrittene, quasi. Den wird es aber natürlich nur dann geben, wenn die Quoten stimmen. Bisher waren das respektable neun bis zehn Prozent in der Zielgruppe zwischen 14 und 49 Jahren.

Hauptdarstellerin Josefine Preuß, im echten Leben schon 21, wurde durch die Serie einem größeren Publikum bekannt. Und sie will noch lange dabeibleiben. „Das Konzept finde ich genial, weil die Serie so gewagt und politisch unkorrekt ist.“ Außerdem sei es sehr originell, eine multikulturelle Patchwork-Familie ins Zentrum einer Fernsehserie zu stellen. „Das gab es bisher noch nicht.“

Angst, durch den Erfolg von „Türkisch für Anfänger“ die Bodenhaftung zu verlieren, hat Josefine Preuß offenbar nicht. „Dafür bin ich viel zu bodenständig erzogen worden“, sagt sie.

Angeblich hat der große Erfolg die ganze Crew überrascht. Vor allem der Titel sei am Anfang umstritten gewesen, erzählt die 21-Jährige. „Türkisch für Anfänger“ klinge eben eher nach einem Kurs an der Volkshochschule als nach einer gewitzten Serie. Preuß kann sich vorstellen, noch mehrere Staffeln mitzuwirken.. Doch wenn sie 30 sei, sagt sie, möchte sie bitte nicht mehr das Girlie-Image haben, das ihr jetzt durch ihre Rolle anhaftet.

Bevor die neuen Folgen zu sehen sind, werden erst die alten wiederholt: Ab dem 10. September werden die ersten beiden Staffeln gezeigt, am 19. November ist dann die dritte dran. Der Sendeplatz ist wie gewohnt Dienstag bis Freitag, immer um 18:50 Uhr. Jan Oberländer

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