Berlin : Sittenverfall am Grill: Strieder will die Ferkel vom Feuer holen

Barbecue-Freunde heben in Parks große Glut-Gruben aus. Jetzt soll der Senat dagegen vorgehen – aber wie?

Werner van Bebber

Die opulenten Grillpartys in den Berliner Parks machen dem Senat und den Bezirken wachsenden Ärger. Stadtentwicklungsenator Peter Strieder wird sein „Projekt Saubere Stadt“ entsorgen können, wenn die Berliner weiterhin Müllrekorde wie den von Pfingsten produzieren: 200 Kubikmeter waren im Tiergarten. Ganze Ferkel und frisch geschlachtete Lämmer werden zubereitet, Grillfreunde heben Gruben aus, um „großformatiges Grillgut“ mit großer Hitze zu garen. In Senats- und Bezirksverwaltungen heißt es, dass in den Parks „immer mehr Schlampen“ unterwegs seien, von „sozialem Desinteresse“ ist die Rede. Der Senat wird demnächst wieder über „Umweltstreifen“ zu entscheiden haben; sie sollen aus dem Stellenpool rekrutiert werden. Den aber gibt es noch nicht.

Im Februar 1999 hatte der Senat beschlossen, dass die „saubere Stadt Berlin“ ohne Umweltstreifen nicht zu bekommen sein werde. 50 Beamte sollten auf den Straßen und in den Parks gegen Leute vorgehen, die die Därme ihrer Hunde nicht unter Kontrolle hatten oder Sperrmüll auf die Straße stellten. Die Streifen wurden versuchsweise losgeschickt. Sie seien bei den Bürgern gut angekommen, heißt es in einer Senatsvorlage aus dem Haus von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD), doch sei es „nicht gelungen“, die zugesagten Beamten „auch nur annähernd im vom Senat beschlossenen Umfang zur Verfügung zu stellen“.

Geschehen ist nichts. Das hat bei vielen Grillfreunden zu der Überzeugung geführt, sie könnten machen, was sie wollen. Diesen Eindruck teilt der Leiter des Grünflächenamtes in Mitte, Harald Büttner, mit seiner Kollegin Ute Heinrich, die im Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg für die Grünanlagen zuständig ist. Büttner lässt neuerdings für das Bezirksamt den Post-Party-Zustand des Tiergartens und anderer Grünanlagen fotografisch dokumentieren. Er sieht Bilder großer Tiere auf Feuerstellen, er sieht auch, dass Leute ganze Grills samt Möbel einfach stehen gelassen haben. Ute Heinrich weiß von ähnlichen Tendenzen zur Missachtung des Grill-Kodex im Volkspark Schöneberg. Dort machen regelmäßig „Parkbegeher“ die Leute auf Grillverbote aufmerksam. Wer sich unbelehrbar gibt, muss damit rechnen, dass die Parkbegeher die Polizei holen. Allerdings ist der Andrang der illegalen Griller offenbar nicht so groß wie im Tiergarten oder im Mauerpark. In den Grünanlage von Mitte lassen sich die Vorschriften laut Amtsleiter Büttner nur zusammen mit der Polizei durchsetzen.

Strieders Sprecherin Petra Reetz sieht das Problem darin, dass Regelverstöße „nicht geahndet“ werden. Doch die Polizei hat auch andere Aufgaben als die Kontrolle von Grillverboten. CDU- und FDP-Politiker denken deshalb an die Einrichtung von Ordnungsämtern. Deren Mitarbeiter, so der CDU-Abgeordnete Uwe Goetze, müssten das Recht haben, die Personalien von Leuten festzustellen, die sich an Verbote nicht halten. Der FDP-Abgeordnete Alexander Ritzmann, selbst praktizierender Tiergarten–Griller, fordert die Bezirksämter auf, jetzt mehr Mitarbeiter loszuschicken, die notfalls die Polizei um Verstärkung bitten. Denn aus den Umweltstreifen, rekrutiert aus dem Stellenpool, werde in diesem Jahr nichts mehr, sagt er. Büttner hat nun ein Fahrzeug bestellt, das den Müll komprimiert, bevor er abtransportiert wird.

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