Berlin : Skibbelidoo, skibbelidoo

Was hat wohl Otto mit Jazz zu tun? Das weiß er selber auch nicht so richtig. Aber am Kurfürstendamm wird er demnächst mit dem Pianisten Joja Wendt auftreten – in einer „Jazz-Lesung“

Andreas Conrad

Otto und die Musik? Ein weites Feld, da fällt doch fast jedem was zu ein. Zum Beispiel seine Variationen über ein schönes deutsches Volkslied, unter anderem interpretiert im Stil der Bundeswehr: „Meine Herren, morgen, im Frühtau, ab in die Berge, fallera!“ Oder das „Wort zum Sonntag“ über „Theo, wir fahrn nach Lodzs“, womit einst Vicky Leandros ihrer Reiselust Ausdruck gab: „Vier fahren also nach Lodzs. Wer sind diese vier? Sind es die vier Musketiere oder sind es nicht vier alle?“ All das ist deutsches Bildungsgut seit Jahrzehnten, und nun wird doch tatsächlich von der Komödie am Kurfürstendamm überraschend eine „Jazz-Lesung“ mit jenem Otto Waalkes und dem Pianisten Joja Wendt angekündigt. Da scheint die Frage nach der Verbindung Ottos zum Jazz doch nahe liegend, nur Otto ist anderer Meinung: „Warum fragen Sie mich so was? Warum fragen Sie mich nicht nach der Verbindung mit meiner Frau? Was habe ich mit Jazz tu tun? Ich habe damit überhaupt nichts zu tun. Ich höre gern Jazz und singe gern Jazz, skibbelidoo, skibbelidoo, you give me fever.“

Eine kleine Probe Scat-Gesang gefällig? Für Allround-Otto kein Problem. Jazzpianist Oscar Peterson („finde ich ganz stark“) hat er früher sogar mal in eine Fernsehshow eingebaut, als „Babynummer“. Privat hört er „alles, was gut ins Ohr geht“, ja, auch Jazz. Und doch hat er den Abend am Kurfürstendamm gerade noch als Irrtum erklärt. „Fälschlicherweise“ sei eine Jazz-Lesung angekündigt worden: „Was ist denn das? Man kann doch Jazz nicht lesen. Soll ich aus Jazzbüchern oder Noten lesen?“

Damit sind wir eigentlich schon mitten drin in einer Otto-Nummer, diesmal gratis am Telefon, während dieser im Auto auf Berlin zusaust – „aber ich fahre nicht“ –, auf dem Weg zur Sat1-Aufzeichnung von Kai Pflaumes „Lego Show“ in der ausgeräumten Cargolifter-Halle. Auch Untertreibung gehört zum Programm. Reklame durch Verweigerung, darauf kommen wohl nur Ostfriesen. „Ich spiele mit einem Musiker zusammen, der heißt Joja Wendt. Der spielt Klavier und ich lese aus meinen Werken. Das ist eigentlich alles nichts Besonderes.“ Die „Frühtau“- und die „Lodzs“-Nummer, all diese Dinge, die macht er im Frühjahr, wenn er auf der neuen Otto-Tour nach Berlin kommt. Der Auftritt im November sei ja nur „eine kleine Lesung zwischendurch: ,Der Friese – Aufzucht und Hege‘.“

Den Klavierspieler kennt Otto gut: „Ein Nachbar von mir. Wir sind oft zusammen und er macht auch die Musik zu meinem neuen Film.“ Das wird eine Werk über die „Sieben Zwerge“ („Männer allein im Wald“), aber darüber mag Otto nicht reden. Lohnt noch nicht, der Film kommt erst in einem Jahr raus. Und auch über die Jazz-Lesung, oder was immer es nun wird, ist noch nicht allzu viel zu sagen. Die Rollenverteilung? „Ich habe keine Ahnung, wir haben noch kein Konzept, müssen uns selber überraschen lassen.“ Ob auch Neues zu hören ist? „Bestimmt. Ich werde Sachen lesen, die noch kein Mensch gehört hat.“ Ob das Haus am Kurfürstendamm, dieser Hort der heiteren Gesellschaftskomödie, nicht überraschend sei für einen, der in Studentenkneipen begann? „Ich kenne das Theater gar nicht, muss ich zugeben. Das habe nicht ich gemacht. Das überrascht mich selbst, dass einer mich da engagiert hat.“ Dass jemand kommen wird, kann er sich nicht vorstellen: „Wer will denn das hören? Otto liest aus seinen Werken.“ Doch Studentenkneipe – was heißt das schon? „Sind wir nicht alle irgendwie Studenten?“

Eines steht jedenfalls fest: Die Gitarre bleibt diesmal zu Hause. Eine Lesung eben, „das hat mit Jazz gar nichts zu tun“. Der Pianist werde vielleicht Jazz-Elemente spielen, aber auch klassische Werke, Geschichtliches, „ganz lehrreich“, wie Otto hofft, auf dass man klüger als vorher nach Hause gehe: „Du, bei Otto, da haben wir was gelernt.“

Komödie am Kurfürstendamm, 2. November, 11 Uhr

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