Berlin : Skinhead-Bande verprügelte junge Türken

06.04.2003 00:00 UhrVon -

Mit Baseball-Keule zugeschlagen: Polizei nahm 25 rechtsgerichtete Jugendliche in Rudow fest

Die sechs jungen Türken kamen aus der UBahn. Oben aber, vor dem Eingang der Endstation Rudow lungerte am Freitagabend eine Gruppe von 25 rechtsgerichteten Jugendlichen und Heranwachsenden beiderlei Geschlechts herum und trank Bier. Als die sechs Türken um 22.30 Uhr auf die Straße traten, wurden sie angepöbelt, beleidigt und provoziert. Dann flogen Fäuste, am Ende traf eine Baseballkeule einen Türken am Kopf. Seine Platzwunde wurde ambulant versorgt.

Eine Zivilstreife der Spezialeinheit PMS (Politisch Motivierte Straßengewalt), die den Treffpunkt der rechten Szene vor dem Imbiss „Ketchup“ ständig im Blick hat, rief sofort 70 Beamte einer Einsatzhundertschaft zur Verstärkung.

Der jüngste der Skinheads griff einen der drei PMS-Zivilbeamten an, in dem er wohl keinen Polizisten vermutete. Doch dieser wehrte sich. Nun liegt der 14-Jährige mit Bauchverletzungen im Krankenhaus.

Trotz des massiven Widerstands wurden die 19 Männer und sechs Frauen der Gruppe im Alter zwischen 14 und 23 Jahren festgenommen. Nach ihrer Vernehmung und erkennungsdienstlichen Behandlung wurden sie aber im Laufe des Sonnabends wieder auf freien Fuß gesetzt. Keiner von ihnen wurde dem Haftrichter vorgeführt, auch nicht der 18-Jährige, der mit der Keule zugeschlagen haben soll. Die Ermittlungen führt die für politische Taten zuständige Staatsschutzabteilung der Polizei.

Wie es bei der Polizei hieß, hat sich der U-Bahnhof Rudow in der letzten Zeit zum Treffpunkt der rechten Szene entwickelt. „In jüngster Zeit hat sich das verstärkt“. Einen Namen oder eine Organisationsstruktur habe die Gruppe von Neuköllnern und Treptowern nicht. „Die treffen sich dort und agieren aus der Bierlaune heraus“, hieß es auf dem Rudower Polizeiabschnitt 51. Am 21. September 2001 hatte eine Gruppe rechter Jugendlicher mit Baseballkeulen und Eisenstangen bewaffnet eine Feier von Konfirmanden in Rudow überfallen.

Keinen Zusammenhang sieht die Polizei zwischen der Prügelei am U-Bahnhof und einem blutigen Streit von linken und rechten Jugendlichen am selben Abend. Um 19.50 Uhr hatten fünf Unbekannte einem Jugendlichen im S-Bahnhof Grünau aufgelauert und mit Knüppeln auf den Kopf geschlagen. Danach flüchteten die Täter, die nach Beschreibung des Opfers der linken Hip-Hopper- Szene angehören sollen. Sich selbst stuft das Opfer als „rechts“ ein, was auch seine Tätowierungen demonstrieren. Er erlitt drei Platzwunden am Kopf. Ha/fan

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