Berlin : Slawen-Dorf in Spandau ausgegraben

Rainer W. During

Während die Männer Messer schmiedeten und die Frauen das Essen kochten, spielten die Kinder unweit des heutigen Hafens am Havelufer. Nach sechsmonatigen Ausgrabungen haben die Archäologen ein recht genaues Bild vom Alltag auf Spandauer Gebiet vor rund 1000 Jahren. Am Burgwall konnten sie neben den bekannten Festungsanlagen eine komplette slawische Siedlung nachweisen.

Karin Wagner vom Landesdenkmalamt spricht von einem der bedeutendsten Flächendenkmale in Berlin-Brandenburg. Zu Tage kam es beim Neubau eines Seniorenpflegeheims der Bethanien-Diakonissen-Stiftung. Ursprünglich hatte man hier mit keinen nennenswerten Funden gerechnet. Doch dann verdoppelten sich wegen der Entdeckungen Grabungszeit und Kosten. Rund 250 000 Euro brachte die Stiftung dafür auf.

Die Fachleute um Grabungsleiter Uwe Michas konnten das Alter der Holzfundamente anhand der Jahresringe exakt bestimmen. Danach muss die Siedlung kurz nach dem großen Slawenaufstand 983 entstanden sein, als die Gebiete zwischen Elbe und Havel dem deutschen Reich einverleibt werden sollten. Um 1200 zogen die Bewohner dann in den Bereich der heutigen Altstadt um. Jüngster Fund am Burgwall war eine Silbermünze des Markgrafen Otto II. (1184-1205).

Ein Gebäude aus dem Jahr 1109 diente in der Nähe der Hafenbucht als Leuchtturm oder Zollhaus. Dass die Spandauer damals schon weiterreichenden Handel betrieben, verdeutlicht der Fund eines vermutlich aus der Ukraine stammenden Wetzsteines. In Ufernähe wurden Kinderrasseln aus Keramik gefunden. Die rund 40 Häuser der Siedlung waren in Zeilen entlang von Straßen errichtet und waren zum Teil in Wohn- und Werkstätten unterteilt. Entdeckt haben die Forscher auch das Skelett eines vermutlich bei der Geburt gestorbenen und aus rituellen Gründen unter einem Türrahmen bestatteten Kindes. Eine Ausstellung von Fundstücken im Foyer des Seniorenheims soll später an die Geschichte des Standortes erinnern.

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