Berlin : Small Talk mit Zimmermädchen

Die Gasthausmission lud zum Gottesdienst in den Berliner Dom

Claudia Keller

SONNTAGS UM ZEHN

Wenn sich der Koch ins Zimmermädchen verliebt, dann kann das ein Fall für die Gasthausmission sein. Denn Liebe unter Kollegen ist in Gaststätten und Hotels verboten. Bettina Hunger und ihre ehrenamtlichen Helfer von der Gasthausseelsorge sind auch dann Ansprechpartner, wenn der Mann an der Rezeption von der Hoteldirektorin gemobbt wird oder der Kellner auch nach dem Dienst zur Flasche greift. Immer häufiger werden sie gerufen, sagt Hunger. Denn mit der Wirtschaftskrise habe auch der Konkurrenzdruck in der Hotelbranche zugenommen – und damit die Einsamkeit, die Hilflosigkeit und die Angst der Angestellten, ihre Stelle zu verlieren. Am Sonntag um 18 Uhr fand deshalb im Berliner Dom ein Gottesdienst speziell für die Mitarbeiter des Berliner Gastgewerbes statt. Allerdings ohne Abendmahl, denn es war ein ökumenischer Gottesdienst.

Um es gleich zu sagen: Das Schönste war am Ende des Gottesdienstes das Orgelnachspiel, die „Tokkata“ von Leon Boellmann. Die Orgel im Berliner Dom in ihrer vollen Wucht zu hören und dabei den steinernen Luther, Zwingli, Melanchthon und Calvin ins Gesicht zu sehen, ist ergreifender als so manche Predigt, die mit den Gläubigen „small talk“ halten will, wie der Chef der Berliner Stadtmission, Pfarrer Hans-Georg Filker, es nannte.

An diesem Sonntag lag der Predigt das Johannes-Evangelium 3, 1-12 zu Grunde, der heimliche Besuch des Rechtsgelehrten Nikodemus bei Jesus. Nikodemus begreift nicht, was Jesus meint, als er sagt: „Wer nicht neu geboren wird, kann nicht in Gottes Reich kommen“. Pfarrer Filkers Plauderei lief darauf hinaus, dass man sich das Reich Gottes eben nicht verdienen kann, sondern jedem ist Gott nahe, der getauft ist und „die Tür seines Herzens öffnet“.

Für den leeren Magen wurden im Anschluss an den Gottesdienst Häppchen und Wein gereicht, wie es sich bei einer Veranstaltung für Mitarbeiter der Hotellerie gehört. Dabei stellte sich auch der neue Geschäftsführer des Berliner Hotel- und Gaststättenverbandes vor, Peter Vogl. „Ihr sollt ein Segen sein“ appellierte er an seine Mitarbeiter. Jeder Reisende weiß, wie entscheidend für den ersten Eindruck in einer fremden Stadt es sein kann, in welcher Stimmung der Taxifahrer ist, der Kellner oder das Zimmermädchen.

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