Smoothie-Trend in Berlin : Hier kommt grünes Gemüse ins Glas

Yoga am Arbeitsplatz, vegane Currywurst und nun pürierter Kohl oder Kräuter im Glas: Gesunder Lifestyle und damit auch Smoothies sind in Mode. In Kreuzberg schlägt das Herz der Pürierbewegung.

Pascale Müller
Geld, rot oder eben grün: Smoothies können viele Farben haben, je nach Inhaltsstoffen. Foto: Ulrich Perrey/dpa
Geld, rot oder eben grün: Smoothies können viele Farben haben, je nach Inhaltsstoffen.Foto: Ulrich Perrey/dpa

Das gesunde Leben beginnt mit einem Getöse wie von einem kleinen Betonmischer. Mit einigen hundert Umdrehungen werden Spinat, Bananen, Limetten und Äpfel durch ein Gerät namens Vitamix Pro 750 gejagt. Herauskommt ein grünlicher Brei mit etwas Schaum obenauf, der besser schmeckt als er aussieht.

Erst schwappte die dritte Welle des Kaffeebrühens über Berlins grüne Mittelschicht, nun sind es Gemüse-Smoothies. In einem Hinterhof in der Urbanstraße schlägt das Herz der Pürierbewegung. Markus Weßeloh ist Geschäftsführer von „GrüneSmoothies.de“ und hat zum großen Mixertest geladen. Den Laden haben er und Kollegen 2008 gegründet, seit Anfang 2014 haben sie Räumlichkeiten und Gelände von den Berliner Wasserwerken überlassen bekommen.

Brei statt Stulle zum Frühstück

„Mit Smoothies ist es wie mit gutem Espresso. Die Zutaten können gleich sein, aber der Geschmack verändert sich mit dem Mahlgrad und der Maschine“, sagt Carla Groscurth, ebenfalls von „GrüneSmoothies.de“. Von günstig und flüssig bis cremig und 850 Euro teuer (so viel kostet der Betonmischer vom Anfang) ist alles dabei.

„Ganz ketzerisch: Eigentlich braucht uns und grüne Smoothies kein Mensch“, sagt Weßeloh und gießt grünen Saft in einen Becher. Die Vitamine und Nährstoffe in dem Flüssigessen brauche nur, wer nicht langsam und bewusst isst, oder nicht lange genug kaut. Doch die Zu-Wenig-Kauer sind laut Weßeloh in der Großstadt in der Überzahl. Bewusstes und langsames Essen passt schwer in einen Tagesablauf zwischen Kita, Büro und Fitnessstudio. In der hektischen Großstadt heißt Frühstück oft: schnell ein Brötchen in der S-Bahn herunterschlingen. Damit kennt sich Weßeloh aus, er ist gelernter Tischler. Irgendwann hat er umgestellt von der „Brötchenernährung der Handwerker“, wie er sie nennt, zu grünem Brei im Glas. Danach sei er viel fitter gewesen, sagt er.

Smoothis machen auch Grünkohl sexy

Groscurth glaubt, die Smoothies träfen einen Zeitgeist, nämlich auf Menschen mit wenig Zeit, die sich trotzdem gesund ernähren wollen und sich wieder mehr mit ihrem Essen auseinandersetzen. „Ganz stark kommen zum Beispiel Smoothies mit Grünkohl“, sagt sie. Ein Gemüse, das bisher nicht unbedingt mit seinem Sexappeal punkten konnte. Wie aufs Stichwort rüttelt sich nun der Vitamix TNC 5200, Preis ebenfalls in der Höhe einer Monatsmiete, durch Kohlblätter. Eins ist klar: Nutellabrot schmieren geht leiser.

Haben sich die Nachbarn eigentlich schon mal beschwert bei all dem morgendlichen Krach aus dem Mixer? Nein, heißt es einstimmig aus der Runde. Die freuen sich, dass Leben im Haus ist. In das Ladengeschäft mit Mixer und Mixerberatung sind Weßeloh, Groscurth und ihre Kollegen so hineingerutscht, wie sie sagen. Erst seit diesem Jahr funktioniert alles professionell. Ihre Kunden sind bunt gemischt, von 18 bis über 70 Jahre sind alle Altersklassen dabei. Doch eigentlich geht es ihnen um mehr als Mixer.

Smoothies, Kirschbäume und ein eigenes Bienenvolk

Sie möchten das Gelände für noch mehr Menschen zugänglich machen. Auf den 5000 Quadratmetern stehen jetzt schon Kirsch- und Lindenbäume, bald soll auch ein Bienenvolk dort angesiedelt werden. Die Bienen sollen dann bestäuben, was dort angebaut wird. Aber: „Wir wollen nichts vorgeben, das die Leute dann nutzen können.“ Stattdessen soll sich jeder selbst Gedanken machen, wie und mit was er sich auf dem Gelände einbringen möchte.

Im Garten sollen am liebsten auch alte und samenfeste Sorten angebaut werden, also solche, deren Samen man im nächsten Jahr für die Nachzucht verwenden kann. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit. Seit diesem Jahr finden dort auch Wildkräuterwanderungen statt, ab Juni auch sogenannte „Wilde After-Works“. „Für viele Städter ist es faszinierend, dass sie durch den Park gehen und Essbares sammeln können“, sagt Weßeloh. Sauerampfer zum Beispiel kaufe der Berliner eher im Biosupermarkt, statt ihn einfach zu pflücken.

Mittlerweile schweigt der Chor der Vitamixe und langsam macht sich die Wirkung der Grünkohl-Testreihe auf den ungeübten Magen bemerkbar. Auch wenn die kleinen Kinder des Teams von „GrüneSmoothies.de“ ihre ersten Gemüse-Drinks schon mit sechs Monaten zu sich genommen haben und es ihnen auch jetzt sichtlich schmeckt, ist nicht jeder Neueinsteigermagen sofort begeistert. Kaum an der frischen Luft, rumpelt und rumort es gewaltig. Kein Wunder. Schließlich kämpft der Magen gerade mit rohem Grünkohl, ohne hundert Umdrehungen pro Minute. Ob ihn ein Burger beruhigt?

Mehr Infos sowie Rezepte finden Sie unter www.gruenesmoothies.de.

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