Berlin : So funktionieren Maschinen für die Blutwäsche

Björn Rosen

Menschen, deren Nieren nicht mehr richtig funktionieren, brauchen Dialysemaschinen. Solche Geräte übernehmen die Arbeit, die normalerweise das Organ erledigen würde: Sie reinigen das Blut von schädlichen Substanzen, etwa Harnstoffen. Diese würden den Körper sonst so stark vergiften, dass man daran sterben könnte. Verglichen mit den nur zehn bis zwölf Zentimeter langen Nieren sind Dialysemaschinen riesig: Meist messen sie über einen Meter in der Höhe und rund 50 Zentimeter in der Tiefe.

Die gängigste Form der „Blutwäsche“ ist die Hämodialyse, bei der das Blut durch einen äußeren Kreislauf gepumpt wird. Bevor man mit der Maschine verbunden werden kann, muss man sich operieren lassen. Dabei wird eine Vene am Unterarm abgeklemmt und auf die Pulsader genäht. Diese Verbindung nennt man „Shunt“ (Nebenanschluss). An die Vene, in die nun das besonders schnell und reichlich zirkulierende Blut aus der Pulsader fließt, können später die zwei Schläuche der Dialysemaschine angeschlossen werden. Sie haben einen Durchmesser von vier Millimetern. Durch den einen fließt das Blut in die Maschine, durch den anderen wieder zum Körper zurück. Eine Pumpe sorgt dafür, dass das Blut durch die Schläuche schnellt.

„Meist findet eine Dialyse drei Mal in der Woche statt“, sagt der Berliner Internist Michael Brauner. „Sie dauert jeweils vier Stunden.“ In dieser Zeit werden etwa 60 Liter Blut durch die Maschine gepumpt. Das bedeutet, dass die etwa vier Liter Blut, die der Mensch in sich trägt, rund 15 Mal das Innere des Gerätes passieren. Das ist nötig, weil Giftstoffe nicht nur im Blut zirkulieren, sondern im ganzen Körper verteilt sind. Wenn am Anfang einer Dialyse gereinigtes Blut wieder in den Körper eintritt, nimmt es also sofort neue Giftstoffe auf und muss erneut gesäubert werden – so lange, bis der Körper insgesamt von innen „gewaschen“ ist.

Den Kern einer Dialysemaschine bildet ein System vieler kleiner Schläuche, in die das Blut aus dem Körper transportiert wird. Diese winzigen Kapillaren haben eine halbdurchlässige Haut aus Kunststoff und schwimmen in einer speziell zubereiteten, keimfreien Lösung: dem Dialysat. Durch den natürlichen Prozess der Osmose neigen beide Flüssigkeiten – das Blut in den Schläuchen und das Dialysat drum herum – dazu, ihre Konzentration auszugleichen. Folge: Die Gifstoffe wandern aus dem Blut durch winzige Poren des Kunstoffmantels in die Dialyse-Flüssigkeit. Umgekehrt gibt das Dialysat wichtige Elemente wie Kalzium oder Magnesium in das Blut ab. Wenn das Blut die Dialysemaschine verlässt, hat es also schädliche Stoffe verloren und gesunde gewonnen. Elektronik in der Maschine überwacht den Prozess ständig und gibt sofort Alarm, wenn etwas nicht stimmt. Zum Beispiel, wenn der Druck, mit dem die Pumpe das Blut ansaugt, zu hoch ist.

Trotz der modernen Technik ist die Dialyse aber kein perfekter Ersatz für echte Nieren: Die arbeiten 24 Stunden sieben Tage die Woche und halten die Konzentration schädlicher Stoffe konstant niedrig. Zwischen den einzelnen künstlichen Blutwäschen dagegen kann die Konzentration in die Höhe schnellen, und die giftigen Substanzen können Organe und Gewebe schädigen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben