Berlin : So funktioniert eine Grippeimpfung

Björn Rosen

Auch wenn alle Welt über die Vogelgrippe spricht – noch ist die „normale“ Influenza für den Menschen weitaus gefährlicher. Ärzte raten deshalb insbesondere älteren Leuten zu einer vorbeugenden Impfung. Geimpft wird gleich gegen mehrere Viren – gegen die drei nämlich, von denen aktuell das größte Risiko ausgeht. Um die Gefahr einschätzen zu können, unterhält die Weltgesundheitsorganisation ein System, das die extrem wandlungsfähigen Viren überall auf dem Globus beobachtet. Die WHO legt auch jedes Jahr von neuem die Zusammensetzung des Impfstoffs fest und liefert die Stämme der drei ausgewählten Virus-Kandidaten an die Pharmaunternehmen.

Die Firmen kümmern sich um die Herstellung des Impfstoffs. Dazu werden die Viren in Hühnereier gespritzt und können sich dort bei hohen Temperaturen massenhaft vermehren. Anschließend werden sie aus den Eiern extrahiert und chemisch abgetötet, meist mit Formalin. Damit sind sie inaktiviert, also für den Körper nicht mehr gefährlich. Weil die Grippe-Viren nicht mehr infektiös sind, spricht man von einem „Totimpfstoff“.

Impfstoffe funktionieren anders als Medikamente. Sie sollen Krankheitserreger nicht vernichten, sondern die Immunabwehr des Körpers auf einen möglichen Eindringling vorbereiten. In einer Injektion des Grippeimpfstoffs Chiron befinden sich wenige Mikrogramm bestimmter Virus-Eiweiße. Diese Proteine werden vom Immunsystem als Fremdeiweiße erkannt und überwiegend schon in der Nähe der Injektionsstelle von Immunzellen aufgenommen und zerlegt. Die gewonnenen Informationen werden an andere Immunzellen weitergeleitet. Der Körper reagiert schließlich mit der Produktion spezieller Abwehrstoffe, genannt Antikörper. Infiziert man sich dann mit „echten“, aktiven Grippeviren, können die Antikörper sofort angreifen und eine Grippe schon im Keim ersticken. Nicht geeignet sind die Impfstoffe für Menschen, die akut unter einer Krankheit leiden oder überempfindlich auf Hühnereiweiß reagieren. An der Injektionsstelle kommt es nach dem Piekser häufig zu Rötungen, Juckreiz oder leichten Schwellungen. Ansonsten sind die Nebenwirkungen überschaubar.

Gratis ist der Impfschutz für Menschen, die älter als 60 sind und für besonders Gefährdete. In den vergangenen Jahren hat eigentlich jeder, der sich impfen ließ, die Kosten erstattet bekommen. In diesem Jahr wollen sich aber besonders viele Leute impfen lassen aus Furcht vor der Vogelgrippe, obwohl die Impfung dagegen nicht hilft. Wegen der Nachfrage kann es passieren, dass man nun doch bezahlen muss, wenn man nicht zu einer Risikogruppe zählt. Das kostet dann etwa 30 Euro.

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